Lesezeit 16 Min
Wirtschaft

Lage, Lage, Lage!

Die Krise zwingt Griechenlands Bürger dazu, ihre Häuser zu verkaufen. Der Markt zieht ausländische Investoren an, die sich mit der Immobilie ein dauerhaftes EU-Visum sichern. Unterwegs mit einem griechischen Makler.

MARO KOURI / DER SPIEGEL
von
Barbara Hardinghaus
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Wirtschaft

Bevor Konstantinos Petridis ins Auto steigt, um sein Land zu verkaufen, bleibt er an einem alten, schäbigen Haus stehen, schaut die Fassade entlang und sagt: »Das ist ein Diamant.«

Er schließt die Fahrertür auf, setzt sich an das Steuer eines weißen Škoda und lenkt ihn durch die Straßen der griechischen Hauptstadt Athen. Er fährt langsam. Er zeigt, was schon alles an ausländische Firmen verkauft ist: »Hier, das Hotel Tiare«, »da, das Hilton«, »und sehen Sie, dort das Café?«

Die Mittelkonsole in seinem Wagen ist gefüllt mit Schlüsseln, die einen neuen Besitzer brauchen. Er fährt vorbei an Geschäften, Bürogebäuden und Wohnhäusern, an fast jedem dritten klebt das Schild »Zu verkaufen!« Die ganze Stadt liegt da wie eine große Shoppingmall. Die leer stehenden Immobilien sind die Ware von Konstantinos Petridis.

Er ist Makler in einem Land, das die Finanzkrise auf den blanken Boden zurückgeworfen hat.

Petridis sagt, auch die Preise für Immobilien im ganzen Land seien ganz unten. Deshalb schläft er in manchen Nächten nur drei Stunden, er muss sich beeilen, denn schon bald wird das Land verkauft sein, so glaubt er, und Petridis, 32 Jahre alt, kennt sich aus, er ist einer der erfolgreichsten unter ihnen, den Ausverkäufern in seinem Heimatland.

Petridis fährt weiter durch die Stadt, biegt in kleine Gassen ein und sagt jetzt Sätze wie »Wir sind deutlich preisgünstiger als Spanien oder Portugal«. Oder: »Wir haben ein gutes Produkt zu einem niedrigen Preis.« Auch: »Die meisten unserer Kunden können ihr Glück kaum fassen.«

Männer wie Konstantinos Petridis singen keine melancholischen Lieder mehr, wenn sie ihre Heimat am Mittelmeer beschreiben, sie sprechen eine globalisierte Sprache, sie erzählt von Erwerb und Besitz.

Seitdem die Krise im Land 2009 begonnen hat, sind die Immobilienpreise in Griechenland um 42 Prozent gesunken, in einigen Gegenden noch stärker, auch in Athen, an der Straße Aristotelous, die im Zentrum liegt, nicht weit vom Parlament, und in der mittlerweile viele Migranten leben. Petridis nennt die Gegend nur das »Brooklyn von Athen«. »High Potential«, sagt er zufrieden. Nach seiner Theorie werden die Gewinne…

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Nr. 25/2018