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Wirtschaft

Krieger im Baumhaus

Im Hambacher Forst kämpfen Klimaaktivisten mit Guerillamethoden gegen den Braunkohletagebau von RWE. Der Konflikt spaltet die Region.

DAVID KLAMMER / DER SPIEGEL
von
Stefan Schultz
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Sie haben sich mit Steinen bewaffnet, die Gesichter sind vermummt. Manche haben sich die Fingerkuppen verklebt oder abgeschmirgelt, damit die Polizei keine Abdrücke nehmen kann.

An einem Mittwoch Ende November schlagen sie los, attackieren an der Landstraße L276, nahe Kerpen-Buir, ein Auto mit vier Sicherheitsleuten, die Rodungsarbeiten des Energiekonzerns RWE im Hambacher Forst bewachen. Laut Polizeibericht verliert der Fahrer die Kontrolle, das Fahrzeug überschlägt sich mehrfach, die Sicherheitsleute müssen leicht verletzt ins Krankenhaus.

Eine Aktivistin, die sich Bonnie nennt, hat an solchen Aktionen nur eines auszusetzen: mangelnde Wirksamkeit. "Wir haben lange diskutiert, was effektiver ist", sagt sie, "Gewalt gegen Menschen oder Gewalt gegen Maschinen." Das Votum war klar: "Kaputte Maschinen halten den Betrieb auf und zwingen RWE finanziell in die Knie", sagt Bonnie. "Kaputte Menschen sind schnell austauschbar."

Bonnie will nicht sagen, ob sie an der Attacke beteiligt war. Prinzipiell aber hat sie kein Problem mit Gewalt. "Die RWE-Leute wissen ja, dass ihr Handeln Konsequenzen hat."

Thomas Körber machen die Angriffe auf seine Leute noch immer fassungslos. Die Attacke an der L276 war nur einer von Hunderten Übergriffen, derentwegen der Leiter des Tagebaus Hambachs viele Nächte und Wochenenden lang Noteinsätze leitet: Die Umweltschützer stecken Trafostationen und Bagger in Brand. Sägen Strommasten an. Verstecken Eisenträger in…

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Nr. 2/2017