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Sport

Kopfzerbrechen

Rund ein Fünftel aller Verletzungen auf dem Spielfeld betrifft den Kopf. Experten befürchten, es müsse erst jemand sterben, ehe sie ernst genommen werden.

JOANNA NOTTEBROCK / DER SPIEGEL
von
Antje Windmann
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Wie oft lagen Sie in Ihrer Karriere schon bewusstlos auf dem Rasen? »Dreimal«, antwortet Bernd Leno, 26, deutscher Nationaltorhüter, »dreimal war ich komplett weg.«

Es ist die 21. Spielminute in der Partie gegen Mönchengladbach im August 2016, Bernd Leno steht für Bayer Leverkusen im Tor. Ein Schuss, Leno pariert, der Ball prallt an ihm ab, im Nachschuss zieht ein anderer Spieler aus kurzer Distanz ab und trifft den Torwart am Kopf. Leno geht zu Boden. Mit knapp 100 Stundenkilometern hat ihn der Ball getroffen.

Betreuer und Mitspieler umringen ihn. Eine Minute später ist Leno wieder auf den Beinen, spielt weiter, und das sogar sehr gut. »Aber ehrlich gesagt war ich völlig neben der Kappe und konnte mich im Nachhinein auch nicht an das ganze Spiel erinnern.«

Leno, seit wenigen Wochen im Kader des FC Arsenal in London, ist einer der ersten Topstars, die öffentlich über ein Thema sprechen, das viele beharrlich auszuklammern versuchen: Kopfverletzungen im Fußball.

Etwa 20-mal, schätzt Leno, habe er einen Ball mit »Vollgas ins Gesicht« bekommen. Mal brenne nur die Haut, so wie nach einer kräftigen Backpfeife, mal brumme der Schädel etwas. Es komme immer auf den Winkel an und darauf, wo der Ball ihn treffe. »Meistens verkrafte ich das sehr gut. Aber manchmal ist man auch so voller Adrenalin, dass man erst mal gar nichts merkt und sich die Beschwerden erst zwei, drei Stunden später oder abends beim Schlafengehen zeigen.«

Fußball ist die beliebteste Sportart der Deutschen, mehr als sieben Millionen Mitglieder verzeichnet der Deutsche Fußball-Bund. Doch nicht nur in dieser Hinsicht ist Fußball außergewöhnlich: Es ist die einzige Kontaktsportart, bei der Athleten gezielt ihren Kopf einsetzen, um Tore zu schießen oder zu verhindern – ohne…

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Nr. 34/2018