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Kultur

„Komik ist immer destruktiv“

Hans Mentz, Humorkritiker der „Titanic“, über den Witz der Deutschen, die anarchische Kraft der Beleidigung und das Erfolgsgeheimnis von Mario Barth

DAVID CARRENO HANSEN / DER SPIEGEL
von
Manfred Dworschak
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Die "Humorkritik" des Satiremagazins "Titanic" ist eine Institution. Die Kolumne bespricht jeden Monat Neues aus der Welt des Komischen – Bücher, Karikaturen, Komödianten. Und sie tut das schon seit dem ersten Heft im Jahr 1979. Hinter dem kritischen Kolumnisten, einem gewissen "Hans Mentz", stecken mehrere Autoren; das deutsche Komikschaffen im Wandel der vergangenen Jahrzehnte können sie wohl besser beurteilen als irgendjemand sonst. Der SPIEGEL bat vier Humorkritiker zu einem Gespräch, es kamen dazu in der Frankfurter "Titanic"-Redaktion zusammen: Bernd Eilert, 68, Oliver Maria Schmitt, 51, Tim Wolff, 39, und Michael Ziegelwagner, 34.

SPIEGEL: Herr Mentz, welcher deutsche Politiker hat am ehesten das Zeug zum Komiker?

Mentz: Frau Merkel wird auch auf diesem Gebiet unterschätzt. Als sie unlängst neben Donald Trump stand – diese Seitenblicke hatten schon eine hervorragende komische Qualität. Vor allem in der Sparsamkeit ihrer Mittel: Ein leichtes Verziehen der Mundwinkel, ein minimales Heben der Augenbrauen genügte schon, um zu signalisieren, dass sie selten so einen Unsinn gehört hat.

SPIEGEL: Tut sich da eine zweite Karriere für den politischen Ruhestand der Kanzlerin auf?

Mentz: Sie brauchte wahrscheinlich, wie es oft so ist, ein Gegenüber. Merkel und Trump als Komikerpärchen, das hätte Aussichten.

SPIEGEL: Stimmt das Klischee, dass Linke sich mit dem Humor schwerer tun?

Mentz: Ideologisch festgelegte Menschen sollten generell nicht versuchen, komisch oder ironisch zu sein, weil sie damit in Konflikt zu ihren Glaubenssätzen geraten. Was da herauskommt, ist die eher unfreiwillige Komik, so wie man sie auch von Kirchentagen kennt. Wer fest an eine Sache glaubt, kann das zersetzende Element, das jede Komik hat, nicht gut vertragen.

SPIEGEL: Wie steht es auf der anderen Seite des…

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Nr. 31/2017