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Verbrechen

Köpfe im Kofferraum

Wie zwei Oldtimerhändler kurz vor dem Mauerfall in der DDR sechs Nazibronzen aus einer sowjetischen Kaserne in den Westen schmuggelten.

GORDON WELTERS / DER SPIEGEL
von
Konstantin von Hammerstein
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Verbrechen

Es ist ein sanfter Sturz. Adolf Hitlers Regime ist untergegangen, doch sein Bildhauer fällt weich. Arno Breker bewohnt nach dem Krieg eine riesige rote Backsteinvilla in der Düsseldorfer Niederrheinstraße. Atelier, 12 000-Quadratmeter-Park, Bronzeskulpturen auf bemoosten Sockeln, erlesene Teppiche und Antiquitäten.

Und doch jammert der Träger des Goldenen Parteiabzeichens der NSDAP, ist verbittert, larmoyant und voller Hass. Einen "graueren, trivialeren und dabei entrüsteteren Menschen vermochte man sich nicht vorzustellen", schreibt der Kunsthistoriker Werner Spies nach einem Treffen mit Breker.

Im Januar 1989 klingelt es bei dem alten Mann. Vor Brekers Tür steht ein guter Bekannter, der Aachener Oldtimerhändler Helmut Schumacher. Er hat einen Artikel aus der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mitgebracht, in dem die junge Berliner Kunsthistorikerin Magdalena Bushart schildert, wie sie im Frühjahr 1988 im DDR-Provinzstädtchen Eberswalde eine ungewöhnliche Entdeckung machte.

Auf dem Sportplatz einer sowjetischen Kaserne fand sie sechs Bronzestatuen der Nazis. Zwei überlebensgroße Muskelmänner von Arno Breker, "Der Künder" und "Berufung", zwei weibliche Bronzeakte von Fritz Klimsch und am Rande der Aschenbahn die beiden monumentalen Rösser des Nazi-Bildhauers Josef Thorak, die Hitler einst vor seinem Arbeitszimmer in der Neuen Reichskanzlei hatte aufstellen lassen.

Breker reagiert auf den Artikel anders, als Schumacher erwartet hat.…

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Nr. 43/2015