Lesezeit 8 Min
Gesellschaft

Keine Eleganz ohne Freiheit

Die Welt ändert sich – der rote Teppich bleibt. Die Schauspielerin Anna Brüggemann stellt mit ihrer Aktion „Nobody’s Doll“ ein Ritual infrage.

MARTIN MAI / DER SPIEGEL
von
Claudia Voigt
Lesezeit 8 Min
Gesellschaft

Erfolgreiche Schauspielerinnen zählen zu den meistfotografierten Frauen der Welt. Wie sie aussehen, wie sie sich anziehen, wie sie sich geben wird millionenfach reproduziert und gilt unzähligen anderen Frauen als Vorbild. Wenn sie sich engagieren und für ihre Überzeugungen eintreten, dann erreicht das viele. Richtig viele. Die #MeToo-Bewegung konnte so wichtig werden, weil berühmte Schauspielerinnen "Ich auch" sagten, gleich nachdem der Skandal um Harvey Weinstein im Oktober vergangenen Jahres öffentlich wurde. Der zweite Women's March nach der Wahl Donald Trumps brachte am vergangenen Wochenende viele Frauen Seite an Seite auf die Straße, Stars und Unbekannte, miteinander verbündet glichen sie einander. Die Zeiten sind danach, dass die Frauen sich zeigen.

Anna Brüggemann, 36, hat in der Nacht vor unserem Treffen nicht viel Schlaf bekommen. Ihr kleiner Sohn war einige Male wach, es ist Anfang Januar, über Berlin hängt ein grauer Deckel. Ins Café kommt die Schauspielerin mit dem Fahrrad, die Mütze ins Gesicht gezogen. Sie trägt eine schwarze Jeans, eine graue Strickjacke, um den Hals ein Tuch, wie man halt so aussieht an einem Donnerstag in der öden, kalten Zeit des Jahres. Niemand im Café schenkt der Frau mit dem klaren, etwas müden Gesicht und den kurzen Haaren groß Beachtung. Man könnte sie aus dem Kino kennen, aus dem Film "3 Zimmer/Küche/Bad" oder durch eine ihrer vielen Fernsehrollen. Doch Schauspielerinnen können verkleidet wirken, wenn sie sich ganz…

Jetzt weiterlesen für 0,85 €
Nr. 5/2018