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Kaiser der Mathematik

In China soll der größte Teilchenbeschleuniger der Welt entstehen. Zwei berühmte Forscher des Landes streiten über das Megabauwerk.

SHAWN G. HENRY / DER SPIEGEL
von
Johann Grolle
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Was sind schon sechs Milliarden Dollar? Nicht viel, meint Shing-Tung Yau, zumindest nicht in China. Schließlich gehe es um eine Maschine, die Menschheitsgeschichte schreiben soll. Und die will sich Yau nicht wegen ein paar Milliarden madig machen lassen.

Yau ist ein einflussreicher Mann in China, auch wenn sein bescheidenes Büro an der Harvard University seine Bedeutung nicht widerspiegelt. Der Weg zu ihm führt vorbei an Gelehrten, die konzentriert über Formeln brüten. Hinter den Regalen der mathematischen Seminarbibliothek hat Yau das Hauptquartier aufgeschlagen, von dem aus er seinen Feldzug für eine gigantische Teilchenschleuder in seinem Heimatland China führt.

Wenn es um dieses Megaprojekt geht, kann sich der Harvardprofessor ereifern: Auf keinen Fall dürften die Chinesen den Fehler der Amerikaner wiederholen. Im Jahr 1993 hatten die den Bau ihres "Super Collider" in Texas eingestellt, weil dem Kongress die Kosten zu hoch waren. "Bis heute hat sich die amerikanische Physik nicht davon erholt", sagt Yau.

Es gibt nicht viele Menschen, denen die reine Mathematik zu Machtfülle verholfen hat. Shing-Tung Yau ist einer von ihnen. Als Forscher erkundet er exotisch verschlungene Gebilde mit betörenden Symmetrieeigenschaften. Was er über diese bizarren Objekte herausgefunden hat, schien seinen Kollegen so bedeutsam, dass sie ihm dafür die Fields-Medaille verliehen haben, die höchste Ehre, welche die Mathematiker zu vergeben haben.

Ein…

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Nr. 51/2016