Lesezeit 8 Min
Politik

Kacke am Dampfen

Düngemittel beeinträchtigen die Wasserqualität in Deutschland massiv. Dank der Lobbyarbeit der Bauern hat die Politik das lange ignoriert. Jetzt aber kommt Druck von der EU.

NIKOLAI WOLFF / DER SPIEGEL
von
Sven Becker
und
Michaela Schießl
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Politik

Vorsicht, diese Geschichte handelt von Scheiße. Von Kuhfladen und Schweineschiss, von Putenkot, Hühnerkacke, Bullenpisse. Davon, wie die Exkremente auf Feld und Wiese verteilt werden. Sie sollen die Pflanzen nähren, in Massen aber verschmutzen sie das Grundwasser.

Donnerstagmorgen im niedersächsischen Nethen. Die Realität der industriellen Landwirtschaft befindet sich in einem Röhrchen mit der Probennummer 20 170 404, gezogen Anfang Januar in der Weser-Ems-Region, einem Zentrum der deutschen Intensivtierhaltung. Aus zwölf Meter Tiefe haben Mitarbeiter des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) Wasser abgezapft. Jetzt wird die Probe auf ihren Nitratgehalt untersucht.

Nachdem die Laboranten das Wasser durch einen Ionen-Chromatografen gejagt haben, erscheint auf dem Computerbildschirm ein Wert von 146 Milligramm. Im deutschen Trinkwasser sind 50 Milligramm Nitrat pro Liter erlaubt, denn der Stoff gilt als potenziell gesundheitsgefährdend. Der Grenzwert wird also um fast das Dreifache überschritten.

Egon Harms ist beim Wasserversorger OOWV für die Qualität des Trinkwassers zuständig. Er hat Unterlagen, die zeigen, wer für die Nitratbelastung verantwortlich ist: In Niedersachsen werden 2,6 Millionen Rinder, 10 Millionen Schweine und 100 Millionen Hühner gehalten. Sie produzieren knapp 50 Millionen Tonnen Gülle und Mist pro Jahr. Dazu kommen mehrere Millionen Tonnen Gärreste aus Biogasanlagen. Viehhalter und Biogasproduzenten ist es zu…

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Nr. 3/2017