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Wirtschaft

"Jeder Mord stärkt die Marke"

Drogenkartelle haben die gleichen Probleme wie globale Konzerne. Nur wer ihr Geschäftsmodell versteht, kann sie bekämpfen, sagt der britische Journalist Tom Wainwright.

BEN QUINTON / DER SPIEGEL
von
Isabell Hülsen
und
Susanne Amann
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Wirtschaft

Wainwright, 34, ist Journalist beim britischen "Economist". Von 2010 bis 2013 war er Korrespondent in Mexiko. Seine Recherchen im Drogengewerbe hat Wainwright zu einem Buch verarbeitet(*). Heute verantwortet der Journalist die weniger gefährliche, aber nicht minder aufregende Großbritannien-Berichterstattung und schreibt über den Brexit. Er hat Philosophie, Politik und Wirtschaft in Oxford studiert.

SPIEGEL: Herr Wainwright, seit wann beschäftigen sich Wirtschaftsjournalisten hauptberuflich mit Drogen?

Wainwright: Das ist ungewöhnlich, da haben Sie recht. Als ich 2010 als Korrespondent nach Mexiko kam, war der Drogenkrieg in vollem Gang; er war das Thema, über das alle redeten. Als Korrespondent habe ich viel über normale Unternehmen geschrieben – doch je häufiger ich mich mit beidem beschäftigte, desto klarer wurde mir: Das Drogengewerbe ist ein Gewerbe wie jedes andere auch.

SPIEGEL: Ein brutales und kriminelles Gewerbe!

Wainwright: Ja, aber wenn wir den Blick nur auf den Horror und das Blutvergießen richten, verstehen wir nicht, wie die Kartelle funktionieren. Ich wollte deshalb als Wirtschaftsjournalist über dieses Geschäft schreiben und nicht als Polizeireporter.

SPIEGEL: Gab es einen Schlüsselmoment, in dem Ihnen klar wurde: Drogenkartelle ticken wie normale Konzerne?

Wainwright: Ja. In El Salvador interviewte ich Carlos Mojica Lechuga, den Chef der Barrio 18, einer der führenden Drogenbanden der Region. Er saß im Gefängnis wegen einer Reihe schrecklicher Morde, seine Gang hat Tausende Menschen getötet.

SPIEGEL: Lechuga soll die Leichen mit einer…

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Nr. 39/2016