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Politik

„Jeder fährt, wohin er will“

Hunderttausende kommen nach Deutschland. Aber wie geht es weiter? Die Registrierung hakt, die Verteilung ebenso – auch weil viele Flüchtlinge andere Pläne haben als die Behörden.

ULRIKE SCHACHT / DER SPIEGEL
von
Matthias Bartsch
,
Hubert Gude
,
Barbara Schmid
,
Wolf Wiedmann-Schmidt
und
Steffen Winter
Lesezeit 9 Min
Politik

Fatima B. packt schon wieder ihren Koffer. Die 50-jährige Syrerin steht vor einem grünen Feldbett einer provisorischen Flüchtlingsunterkunft im niedersächsischen Brake und lächelt müde. Ihre lange Flucht aus der zerbombten Stadt Homs ist noch nicht zu Ende.

Eigentlich sollte die alte Schule in Brake das neue Zuhause von Fatima B., ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter werden, zumindest vorübergehend. So dachten es sich die deutschen Behörden. Doch Fatima B. will zurück nach Bayern. "Wir fahren zu meinem Mann, meinem zweiten Sohn und meinem kleinen Enkel, die sind schon vor ein paar Monaten nach Deutschland gefahren", berichtet sie, "sie haben in Bayern einen Asylantrag gestellt."

Das habe sie auch gesagt, als sie Ende Oktober über die österreichische Grenze nach Deutschland gekommen sei. Aber niemand habe auf sie gehört. Die Flüchtlinge sollten anscheinend nur schnell weitergeleitet werden, weg von der Grenze, raus aus Bayern. Nach einem Zwischenstopp in München habe sie sich in einem von 80 Flüchtlingsbussen wiedergefunden, die Richtung Norden fuhren.

Nach vielen Stunden Fahrt lud der Bus Fatima B., ihre beiden Verwandten und 75 andere Flüchtlinge in Brake ab, einer kleinen Stadt an der Unterweser. Aber dort mochten nur wenige Ankömmlinge bleiben. "Einige wollten gleich weiter nach Schweden, wo Verwandte oder Freunde lebten, ein Afghane hielt mir sein Handy entgegen, in das er Aachen eingetippt hatte", sagt Peter Deyle vom Deutschen Roten…

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Nr. 46/2015