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Kultur

Jack Bauer hat den Blues

Der Schauspieler Kiefer Sutherland bekämpft seine Dämonen mit Countrymusik. Ein Therapieabend in New Jersey.

DEVIN YALKIN / DER SPIEGEL
von
Philipp Oehmke
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Kultur

Als die Sonne in Asbury Park an der Atlantikküste von New Jersey untergeht, steht Kiefer Sutherland auf einem abgesperrten Stück Parkplatz zwischen seinen beiden Tourbussen und beginnt mit dem Aufwärmprogramm. Er trägt zerschlissene schwarze Cowboystiefel und hält ein Lasso aus Nylon in der Hand. Ansonsten sieht er immer noch aus wie Jack Bauer, jener ebenso übermenschliche wie gebrochene Antiterroragent aus der Serie "24", den er 15 Jahre lang verkörpert hat und der zum ersten Actionhelden der Post-9/11-Ära wurde.

Sutherland hat seine Assistentin Beth angewiesen, zwischen den Bussen hin- und herzugehen, Beth kennt das schon. Dann konzentriert sich Sutherland, zielt, wirft die Schlinge des Lassos, lässt sie kurz hinter Beth auf den Boden ditschen, sodass die Schlinge wieder hochspringt und sich von unten um Beths Bein windet.

"Vor 25 Jahren, mit Mitte zwanzig", sagt Sutherland und zieht an seiner Zigarette, der circa 20. des Tages, "bin ich von Rodeoturnier zu Rodeoturnier gereist, wurde immer besser und habe die Dinger irgendwann auch alle gewonnen."

Tatsächlich hatte sich Sutherland nach einem relativ rasanten Aufstieg zum Star mit den Rebellenfilmen "The Lost Boys", "Young Guns" oder "Flatliners" Anfang der Neunzigerjahre eine Ranch in Montana gekauft, wo er sich bald mit der Frage konfrontiert sah, was man dort eigentlich im Sommer macht, wenn die Skisaison vorbei ist. So kam er zum Rodeo, der Cowboykultur und der Countrymusik.

Das Lasso zu…

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Nr. 23/2018