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Internet der Tiere

Forscher wollen Tausende Säuger, Vögel und Fische mit Minisendern ausrüsten und dann vom Weltraum aus verfolgen. Das Projekt »Icarus« soll helfen, Naturkatastrophen und die Ausbreitung von Krankheitserregern vorherzusagen.

MICHAEL TRIPPEL / DER SPIEGEL
von
Philip Bethge
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Es ist ein ewiges Trampeln und Stolzieren, ein Hüpfen und Stampfen, ein Flattern und Fliegen, ein Paddeln, Tauchen und Sprinten.

Die Lebewesen der Erde sind ständig in Bewegung, im Wasser, zu Lande, in der Luft. Eines der größten Naturwunder der Erde spielt sich ab, wenn Tiere sich auf Wanderung begeben. Und Biologen mühen sich bereits seit Jahrzehnten, das fein orchestrierte Gewusel zu ergründen. Jetzt steht ein Durchbruch bevor: In der kommenden Woche soll ein System in Betrieb gehen, das die umfassende Beobachtung der Tiere ermöglicht – vom Weltraum aus.

»Icarus« (»International Cooperation for Animal Research Using Space«) haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie (MPIO) in Radolfzell am Bodensee das neue Beobachtungssystem getauft. Weltweit Tausende Tiere wollen Wissenschaftler mit Minisendern ausrüsten. Die gesammelten Daten werden sodann an die Internationale Raumstation ISS gefunkt.

Rund um die Uhr könnte dieses Internet der Tiere die Wanderungen von Vögeln, Fischen und Säugetieren beobachten. Und noch mehr: Auch Wetterextreme und Klimaveränderungen wollen die Forscher aus den Daten herauslesen. Vulkanausbrüche und Erdbeben hoffen sie mithilfe der Bewegungsmuster des Geviechs vorhersagen zu können – oder die Ausbreitung von Krankheitserregern.

»Wir wollen ein globales Netzwerk lebender Sensoren aufbauen«, sagt Martin Wikelski, Direktor des MPIO und Ornithologe an der Universität Konstanz. Der Professor will…

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Nr. 33/2018