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Politik

Im Widerstand

Jarosław Kaczyński will das Land umbauen: nationalistisch, antiwestlich und erzkatholisch. Dagegen wendet sich eine Protestbewegung, der linke Aktivisten, Journalisten und sogar ein konservativer Expremier angehören.

PIOTR MALECKI / DER SPIEGEL
von
Jan Puhl
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Politik

Es ist ein feuchtkalter Samstagnachmittag im Januar, noch immer hängt der Weihnachtsschmuck über der Warschauer Prachtstraße Nowy Świat. Doch die Straße ist leer, nur am "Platz der Warschauer Aufständischen" drängen sich die Menschen, dort, wo sich die Zentrale des Staatsfernsehens befindet. Einige Tausend Demonstranten sind an diesem Tag gekommen, sie schwenken die rot-weiße Nationalflagge und skandieren ihren Schlachtruf: "Freiheit des Wortes". Denn das Wort, fürchten sie, ist nicht mehr frei, seit die Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) an der Macht ist, seit die dieses Gesetz verabschiedet hat. Ein Gesetz, nach dem sie alle Führungsposten bei den öffentlichen Medien neu besetzen kann.

Kamil Dabrowa ist einer der Demonstranten, auch er einer, dessen Wort nicht mehr frei ist. Bis zum Vortag leitete er das Erste Polnische Radio, dann wurde er gefeuert. Ebenfalls dabei ist die Soziologin Joanna Erbel, die Haare rot gefärbt, ausgezeichnet für ihr Engagement in einer Stadtteilinitiative, sie sagt: "In Polen steht die Demokratie auf dem Spiel."

In Łódź geht zur selben Zeit Mateusz Kijowski auf die Straße. Er trägt zwei Ohrringe im linken Ohr, Vollbart, die langen grauen Haare mit einem Gummiband zusammengebunden. Kijowski ist der Anführer dieser neuen außerparlamentarischen Opposition, Ende vergangenen Jahres hat er das "Komitee zur Verteidigung der Demokratie", kurz KOD, gegründet. "Die Pressefreiheit ist bedroht", sagt er, "und damit die Demokratie…

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Nr. 4/2016