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Gesellschaft

Im Namen des Volkes

Prominente aus Politik und Gesellschaft fordern eine Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare

KITTIHAWK / DER SPIEGEL

Manchmal ist Schweigen deutlicher als viele Worte. Als der SPIEGEL in dieser Woche Bürger suchte, die homosexuelle Partnerschaften mit der Ehe gleichsetzen wollen, meldeten sich zahlreiche Unterstützer. 

Nur wenige Angesprochene mochten sich nicht äußern, aber ihre Zurückhaltung hat Gewicht. Unter den Konzernchefs will kaum jemand für die völlige Gleichstellung von Lesben und Schwulen eintreten. Fußballmanager und ihre Spieler halten es ähnlich. Verlegen bis verdruckst bitten vor allem Vertreter von CDU und CSU um Verständnis, wenn sie diesmal lieber nichts sagen.

Am vorigen Wochenende schaffte das katholische Irland mit einem Volksentscheid Klarheit, während die Bundesregierung die Ehe von Mann und Frau immer noch als Heiligtum verteidigt und der Regierungssprecher zur Begründung diffus von kulturellen und religiösen Werten spricht. 

Selbst manche Religionsvertreter können diese Haltung nicht mehr verstehen. Auch solche nicht, die eigentlich auf den Vatikan hören müssten - der nach dem irischen Votum von einer "Niederlage für die Menschheit" spricht.

Warum macht die Politik das Thema zum Spielball eigener Interessen, am Mehrheitswillen des Volkes vorbei? In den Koalitionsverhandlungen im Herbst 2013 forderten die Sozialdemokraten Nachbesserungen für benachteiligte Gruppen wie Frauen, Migranten und Homosexuelle. Für die Union war das zu viel. Am Ende verzichtete die SPD darauf, ihren Wahlkampfslogan ("100 Prozent Gleichstellung jetzt!") durchzusetzen.

Eine Wiedervorlage steht für 2017 an, womöglich in Koalitionsverhandlungen der CDU mit den Grünen. Unionspolitiker könnten das Thema dann erneut als Verhandlungsmasse nutzen, auch deshalb soll es nun keine völlige Gleichstellung geben.

So werden die Rechte Homosexueller von Parteien instrumentalisiert, entgegen dem Mehrheitswillen selbst der eigenen Klientel. Denn für die Zurückhaltung der Kanzlerin gibt es keinen Grund, nicht mal einen demoskopischen. In Umfragen, die Angela Merkel im März 2013 vorgelegt wurden, ist selbst unter den Anhängern von CDU/CSU eine deutliche Mehrheit (72 Prozent) davon überzeugt, dass es eingetragenen Lebenspartnerschaften ebenso wie Eheleuten erlaubt sein soll, gemeinsam ein Kind zu adoptieren. 68 Prozent der Unionswähler fanden, dass Schwule und Lesben genauso gute Eltern sein können…

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Nr. 23/2015