Lesezeit 23 Min
Politik

Im Geiste des Gorillas

Seit Donald Trump Präsident ist, erblüht die rechtsradikale „Alt Right“-Bewegung. In ihr sammeln sich Chauvinisten, Internet-Trolle, Islamhasser, Rassisten, Neonazis – und der Präsident selbst. Wer sind ihre Anführer?

ROBERT GALLAGHER / DER SPIEGEL
von
Philipp Oehmke
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Politik

Natürlich wohnt er in einem Trump-Hotel, allein schon wegen der Botschaft. In seinem Zimmer im 35. Stock des New Yorker Trump Soho sitzt Milo Yiannopoulos vor einem Laptop und hackt letzte Korrekturen in seine Rede.

Es ist ein Freitagvormittag Ende Mai, ein paar Tage nachdem ein islamistischer Attentäter 22 Besucher beim Konzert von Ariana Grande in Manchester getötet hat. In zwei Stunden wird Yiannopoulos vor dem Gebäude der New Yorker City University in der 42nd Street eine seiner inzwischen berühmten Hassreden halten.

Ziel seines Spotts soll diesmal eine Muslimin namens Linda Sarsour sein. Yiannopoulos kannte die Frau bis vor Kurzem nicht, aber er hat erfahren, dass Sarsour in der folgenden Woche bei der Abschlussfeier der Universität die Festrednerin sein soll. Eine krude Koalition aus orthodoxen Zionisten, Anti-Islam-Aktivisten und Trump-Fans hat zu einer Protestkundgebung gegen das Engagement von Sarsour aufgerufen, und Yiannopoulos, der im Februar wegen angeblich pädophiler Aussagen seinen Job bei dem rechtsradikalen Nachrichtenportal Breitbart verloren hat, will endlich zurück ins Rampenlicht.

Dann eben eine Hassrede auf eine Frau, die ihm bis eben noch vollkommen egal war.

Draußen regnet es in Strömen. Aus dem Fenster im 35. Stock ist Manhattan schon nicht mehr zu sehen. Die neuen Veloursleder-Stiefeletten von Gucci werden danach ruiniert sein.

Yiannopoulos hat seinen Stylisten Sebastian mitgebracht, der zwei Koffer mit Outfits sowie diverse Gucci-Tüten in das Hotelzimmer geschleppt hat. Die Kleidung liegt nun im Zimmer verstreut, man muss aufpassen, nicht auf eine der Louis-Vuitton-Brillen zu treten.

"Kein Problem", sagt Yiannopoulos, "die sind ohnehin aus der letzten Saison."

Außerdem an diesem Morgen mit im Hotelzimmer: die Redenschreiber und Berater Chadwick Moore und Matthew Perdie, die hinter Yiannopoulos auf und ab gehen und Vorschläge für die Rede machen. Gerade haben sie herausgefunden, dass Sarsour, der Nachname der muslimischen Rednerin, auf Arabisch wohl Kakerlake heißt. Großes Gelächter. Damit lässt sich doch arbeiten, findet Yiannopoulos.

Im Bett, zugedeckt mit einer Decke, liegt ein junger Mann und liest das Buch "Plant Paradox", das davon handelt, dass gesundes Essen Fake News ist und in Wirklichkeit ungesund.

Nahe der Tür lehnt, die tätowierten Unterarme vor der Brust verschränkt, Xavier, der 14 Jahre lang für die U. S. Marines im Irak und in Afghanistan war. Um sein Handgelenk trägt er die Marke eines im Irak getöteten Kameraden. Yiannopoulos trägt Perlenketten am Unterarm.

Xavier gehöre zu seinem Securityteam, sagt Yiannopoulos. Zumindest noch so lange, bis die Trump-Regierung ihn ausweise. Yiannopoulos spielt damit auf den mexikanischen Vornamen des Bodyguards an. Alle außer Xavier lachen.

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„Der Troll lockt sein Opfer in eine Falle, aus der es keinen Ausweg gibt. Es ist teils Trickserei, teils Boshaftigkeit.“
Milo Yiannopoulos

Von dieser Art Witz macht Yiannopoulos viele, und in diesem Geiste schreibt er nun auch an seiner Rede für die Protestkundgebung weiter. Gut gelaunt tippt Yiannopoulos in seinen Laptop: "Wir sind uns…

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Nr. 26/2017