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Politik

„Ihr habt mehr zu verlieren“

Der iranische Vizepräsident Ali Akbar Salehi sagt, sein Land wolle am Nuklearabkommen festhalten, notfalls auch ohne die USA. Sollte es trotzdem scheitern, warnt er vor einem atomaren Wettrüsten.

FARHAD BABAEI / DER SPIEGEL
von
Susanne Koelbl
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Politik

SPIEGEL: Präsident Hassan Rohani drohte vor Kurzem, Irans Nuklearprogramm könne binnen Stunden wiederbelebt werden, sollten die USA erneut Sanktionen verhängen. Wie ernst ist diese Warnung?

Salehi: Wir wägen ständig ab, ob dieser Vertrag uns mehr bringt oder mehr kostet. Wenn die USA aus dem Abkommen ausstiegen, aber Frankreich, Großbritannien, Russland, China und Deutschland daran festhielten, würden wir höchstwahrscheinlich mit ihnen weiterarbeiten. Wenn die USA aber ausstiegen und die anderen Länder folgten – dann wäre der Deal gescheitert, und Iran würde da weitermachen, wo es aufgehört hat. Als jemand, der an diesen Verhandlungen beteiligt war, würde ich das nicht gern erleben.

SPIEGEL: Der Präsident kann bisher kaum wirtschaftliche Erfolge vorweisen, ein wichtiger Grund dafür ist, dass die USA westliche Banken drängen, keine Geschäfte mit Iran abzuwickeln. Wie wollen Sie aus dieser Falle entkommen?

Salehi: Die USA versuchen, die Atmosphäre zu vergiften. Sie entmutigen große Banken und Firmen, mit Iran zu arbeiten. Das ist vor allem Angstmacherei und Rhetorik, in Wahrheit können sie nicht viel erreichen. Sollten sie diesen Worten aber Taten folgen lassen, dann sähe es anders aus.

SPIEGEL: Was meinen Sie damit?

Salehi: Wenn die USA die auf die iranischen Nuklearaktivitäten bezogenen Sanktionen nicht aufheben, käme das…

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Nr. 37/2017