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Politik

»Ich will nichts schönreden«

SPD-Chefin Andrea Nahles, 47, über ihre Pläne zur Wiederbelebung ihrer Partei, den Umbau des Sozialstaats und die neue Russlandpolitik der Genossen

STEFFEN ROTH / DER SPIEGEL
von
Michael Sauga
und
Veit Medick
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Politik

SPIEGEL: Frau Nahles, bei Ihrer Wahl zur Parteichefin saßen vor Ihnen in der ersten Reihe viele ehemalige SPD-Vorsitzende. Beck, Gabriel, Müntefering, Scharping – was haben Sie gedacht, als Sie die Herren von der Bühne aus gesehen haben?

Nahles: Ich habe mich sehr gefreut, dass sie da waren. Mit Rudolf Scharping hatte ich vorher Kontakt, Kurt Beck hatte ich auch getroffen. Andererseits habe ich in dem Moment auf der Bühne gedacht: Das sind eindeutig zu viele ehemalige Vorsitzende. Die Amtszeiten sollten wieder länger werden.

SPIEGEL: Oder haben Sie gedacht, dass Sie möglicherweise bald selbst da unten sitzen könnten?

Nahles: Nein, der Gedanke ist mir nun wirklich nicht gekommen. Ich wollte das Amt ja erst mal erringen. Und ich bin zuversichtlich, dass ich diese Aufgabe nun ein paar Jahre machen darf. Das soll gut werden.

SPIEGEL: Ihr Start war schwierig, es gab bei Ihrer Wahl viele Gegenstimmen, das Misstrauen gegenüber der Parteiführung sitzt tief. Wie sieht Ihr Plan aus, die SPD wieder aufzurichten?

Nahles: Ich will gar nichts schönreden. Mein Ergebnis ist Ausdruck unserer schwierigen Lage. Zu viele in der SPD sind skeptisch, was die Zukunft angeht. Die einen sorgen sich wegen der Großen Koalition. Die anderen sorgen sich um unser Profil. Wieder andere fürchten, die Erneuerung werde vertrödelt. Ich möchte zeigen, dass die SPD gut regieren und gleichzeitig als Partei spannende politische Debatten führen kann.

SPIEGEL: Erneuerung wird in Ihrer Partei seit Jahren versprochen. Verändert hat sich wenig. Warum sollte jetzt, parallel zur Regierungsverantwortung, tatsächlich etwas passieren?

Nahles: Weil es um die Zukunft der SPD als Volkspartei geht und alle erkannt haben, wie notwendig eine gründliche Debatte ist…

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Nr. 18/2018