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Kultur

„Ich will nicht die Demokratie heilen“

ARD-Moderator Frank Plasberg, 60, und „Hart aber fair“-Redaktionsleiter Georg Diedenhofen, 57, über die Frage, ob Polittalks die AfD erst groß gemacht haben

MATTHIAS JUNG / DER SPIEGEL
von
Alexander Kühn
und
Markus Brauck
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SPIEGEL: Herr Plasberg, Herr Diedenhofen, die AfD hat bei der Bundestagswahl 12,6 Prozent der Stimmen bekommen. Wie viele davon gehen auf Ihr Konto?

Plasberg: Stellen Sie jetzt die Schuldfrage? Wenn 12,6 Prozent der deutschen Wähler einer solchen Partei ihre Stimme geben, ist das ein gesellschaftlicher Hammer – aber sicherlich keine Frage von Schuld, denn die ist eine juristische oder moralische Kategorie, und nichts von beidem trifft hier zu.

SPIEGEL: Wir fragen nicht nach Schuld, sondern nach Mitverantwortung. Der Vorwurf, der ja sogar in Ihrer eigenen Sendung von manchem Politiker erhoben wird, lautet: Talkshows wie "Hart aber fair" hätten die AfD erst groß gemacht, weil sie ihr eine Bühne geboten haben.

Plasberg: Im Prinzip finde ich es schön, wenn man dem Fernsehen eine solche Bedeutung zumisst. Aber in dieser Form möchte ich sie nicht annehmen. Niemand kann eine Partei groß machen, wenn es dafür in der Bevölkerung nicht ein Bedürfnis gibt.

Diedenhofen: Es klingt jetzt so, als hätten wir keine Sendung ohne AfD gemacht. Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben dieses Jahr bislang 58 Politiker zu Gast gehabt, 4 davon waren von der AfD. Voriges Jahr hatten wir 85 Politiker da, 5 davon von der AfD.

SPIEGEL: Eine andere Zahl: 2016 haben die politischen Talkshows von ARD und ZDF mehr als die Hälfte ihrer Ausgaben mit AfD-Lieblingsthemen wie Flüchtlinge, Integration und innere…

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Nr. 41/2017