Lesezeit 12 Min
Kultur

"Ich werde immer kämpferischer"

Martin Roth, deutscher Direktor des Londoner Victoria and Albert Museum, über seinen überraschenden Abschied, Kunst als Schnickschnack und zahnlose Kulturpolitik

HENRIK KNUDSEN / DER SPIEGEL
von
Ulrike Knöfel
Lesezeit 12 Min
Kultur

Roth, 61, leitet seit fünf Jahren das Victoria and Albert Museum (V&A) in London. Mit Ausstellungen wie der über David Bowie hat Roth ein großes Publikum begeistert. 3,8 Millionen Besucher dürften in diesem Jahr in das Prachtgebäude nach South Kensington kommen. Zuvor führte der gebürtige Stuttgarter zehn Jahre lang als Generaldirektor die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden. In dieser Stadt war er schon in den Neunzigerjahren tätig, damals als Leiter des Hygiene-Museums.

SPIEGEL: Herr Roth, Sie sind einer der erfolgreichsten Museumschefs der Welt. In dieser Woche haben Sie die Briten mit der Ankündigung geschockt, als Direktor des V&A aufhören zu wollen – warum geben Sie einen solchen Ausnahmejob auf, warum dieser Paukenschlag?

Roth: Das klingt jetzt vielleicht arrogant oder absurd, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Museum weltweit besser dasteht als unseres. Wenn ich jetzt bliebe, müsste ich meine Kraft darin investieren, diesen Zustand zu halten. Besser, als ich es gemacht habe, kann ich es nicht machen.

SPIEGEL: In Großbritannien ist das V&A kürzlich als Museum des Jahres ausgezeichnet worden, nicht zuletzt deshalb, weil Sie es schaffen, auch ein jüngeres Publikum anzulocken. Sie könnten so viel Zuspruch einfach genießen. Wartet ein neuer, noch besserer Job?

Roth: Nein. Nur bin ich einfach keiner, der sich auf dem, was er erreicht hat, ausruht. Es sind gigantische Projekte in Planung, Umbauten, Kooperationen, ich könnte bleiben und mir die Ehrennadeln ans Revers heften lassen. Andere täten das.

SPIEGEL:…

Jetzt weiterlesen für 0,91 €
Nr. 37/2016