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Politik

"Ich werde Hillary wählen müssen"

Der ehemalige Bush-Berater Paul Wolfowitz, 72, spricht über Fehler im Irakkrieg und warnt vor einem Präsidenten Donald Trump.

LEXEY SWALL / DER SPIEGEL
von
Gordon Repinski
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Politik

SPIEGEL: Herr Wolfowitz, Sie haben den Irakkrieg von 2003 als Vizeverteidigungsminister des Präsidenten George W. Bush befürwortet. Heute machen viele diesen Krieg für die Unruhe im Nahen Osten und für das Entstehen des "Islamischen Staats" (IS) verantwortlich. Fühlen Sie sich mitschuldig?

Wolfowitz: Nein, denn das Erstarken des IS ist vor allem eine direkte Folge des Versagens in Syrien. Dort ist die Organisation erst groß geworden, von dort breitet sie sich in alle Welt aus. Der Westen hätte die sunnitische Opposition gegen das Regime von Baschar al-Assad von Anfang an unterstützen müssen. Und wenn der Irak so stabil geblieben wäre, wie er 2008 war, hätte der IS sich dort auch nicht so weit ausdehnen können. Der Fehler war, dass Präsident Barack Obama die Truppen zu früh aus dem Irak abgezogen hat.

SPIEGEL: Auch der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat den Irakkrieg kritisiert und angekündigt, "die gegenwärtige Politik von Nation-Building und Regimewechsel" zu beenden  genau die Politik, für die Sie standen.

Wolfowitz: Es wäre ein großer Fehler, die Förderung von Demokratie grundsätzlich abzuschreiben. Friedlicher Wandel war in den vergangenen Jahren in ehemaligen Ostblockstaaten und Ländern wie Südkorea, Indonesien, Chile und Südafrika extrem erfolgreich. Den Einsatz von Militär sollte man möglichst vermeiden. Es gibt aber Ausnahmen: wenn…

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Nr. 35/2016