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»Ich war wie ein Roboter – mit Wut«

Die Neurowissenschaftlerin Barbara Lipska erforschte die Gehirne geisteskranker Menschen. Dann zog der Krebs in ihr Gehirn, und sie driftete in den Wahnsinn.

GREG KAHN / DER SPIEGEL
von
Johann Grolle
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Lipska, 67, begann ihre Karriere in ihrer Heimat Polen; damals untersuchte sie die Wirkweise psychoaktiver Substanzen. Später, in den USA, modellierte sie Schizophrenie in Ratten. Heute leitet sie die Hirnbank am National Institute of Mental Health (NIMH). Im Jahr 2015 wurden in ihrem Gehirn Metastasen eines malignen Melanoms gefunden. Über ihren Kampf gegen den Krebs und die dramatischen Folgen der experimentellen Immuntherapie, die sie erhielt, hat sie ein Buch geschrieben(*). Inzwischen trainiert die leidenschaftliche Ausdauersportlerin wieder zusammen mit ihrer Familie für Triathlons.

SPIEGEL: Frau Lipska, merkt man, wenn man verrückt wird?

Lipska: Leider nicht. Bei mir war es zum Beispiel so, dass ich irgendwann mein Auto in der Parkgarage nicht finden konnte.

SPIEGEL: Was ist da passiert?

Lipska: Es schien ein Tag wie jeder andere zu sein. Ich war im Büro, arbeiten. Als ich sah, dass sich am Himmel ein Sturm zusammenballte, beschloss ich, nach Hause zu fahren. Ich ging also in die Garage. Aber mein Wagen war weg. Ich war sicher, dass ich ihn in derselben Reihe wie immer geparkt hatte. Aber da war er nicht.

SPIEGEL: Wie haben Sie ihn gefunden?

Lipska: Irgendwann habe ich eine Frau um Hilfe gebeten. Die hat auf den elektronischen Türöffner am Schlüssel gedrückt und mir meinen Toyota gezeigt: eine halbe Etage höher. Mir schien unerklärlich, wie er dorthin gekommen war.

SPIEGEL: So etwas ist peinlich, aber es kann jedem passieren ...

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Nr. 35/2018