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Kultur

„Ich laufe vor mir selbst davon“

Der Selfmade-Milliardär Reinhold Würth über billiges Geld auf dem Kunstmarkt, die Tücken des neuen Kulturgutschutzgesetzes und den Triumphzug seiner Sammlung nach Berlin.

SAMMY HART / DER SPIEGEL
von
Ulrike Knöfel
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Kultur

Würth, 80, ist kühl kalkulierender Geschäftsmann und exzessiver Kunstsammler zugleich. Seit den Sechzigerjahren hat er etwa 17 000 Werke erworben: Spätgotisches, Impressionistisches, viel hochpreisige Gegenwartskunst, darunter Bilder von Andy Warhol, Gerhard Richter, Georg Baselitz und Anselm Kiefer. Für Aufsehen sorgte 2011 der Kauf der "Schutzmantelmadonna" des Renaissancemalers Hans Holbein. Würth soll mehr als 50 Millionen Euro bezahlt haben.

Sein Geld verdient der Unternehmer vor allem als weltweit führender Lieferant von Schrauben und anderer Befestigungstechnik. Zur verzweigten Gruppe, die 67 800 Mitarbeiter beschäftigt und über zehn Milliarden Euro im Jahr umsetzt, gehören Hunderte Gesellschaften, darunter Immobilienfirmen, ein Flugplatz und Hotels. Auch ein Großteil der Kunst ist im Eigentum seiner Gesellschaften. Knapp eine halbe Million Menschen kamen 2014 in die 15 eigenen Kunstdependancen wie die Kunsthalle Würth und die Johanniterkirche in Schwäbisch Hall. Hier, im Hohenloher Land, liegt auch ein von Würth bewohntes Schloss. Zum Gespräch bittet er nach Salzburg – wo seinem Konzern unter anderem die im Stadtraum aufgestellten Großskulpturen des "Walk of Modern Art" gehören.

Würth ist gerade bei staatlichen Institutionen mehr denn je als Förderer und Kooperationspartner gefragt. Bereits seit 2006 präsentiert das Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel ältere Preziosen aus seiner Kollektion in einer Dauerschau. Nun stellt das Würth Museum einen Querschnitt durch seine Bestände im Berliner Martin-Gropius-Bau vor. Anlässlich der Eröffnung in der kommenden Woche wird Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) eine Rede halten.

SPIEGEL: Herr Würth, in Berlin werden 400 Werke aus Ihrer Sammlung ausgestellt, und die Kulturstaatsministerin heißt Sie willkommen. Sie entwickeln sich zu einer Art Denkmal. Gefällt Ihnen das?

Würth: So habe ich das noch nicht gesehen…

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Nr. 37/2015