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Politik

»Ich lasse mich nicht in die rechte Ecke drängen«

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz, 32, über seine Ziele während der EU-Ratspräsidentschaft, seinen Kampf gegen illegale Zuwanderung und sein Verhältnis zu Angela Merkel

JORK WEISMANN / DER SPIEGEL
von
Peter Müller
und
Walter Mayr
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Politik

Der Regierungschef tritt in eng geschnittenem marineblauem Anzug auf, das Gesicht frisch gepudert, die Laune prächtig. Im verglasten Panoramasaal »Nordkette«, zwölfter Stock von Adlers Hotel in Innsbruck, schnappt er sich ein Mineralwasser und lächelt. Die Laune verdüstert sich vorübergehend, als Kurz hört, dass er für seinen anstehenden Zwölf-Stunden-Flug nach Asien an diesem Abend in der Economyclass gebucht wurde. »Naa, wirklich?«, fragt Kurz, hat sich aber bald wieder im Griff und nimmt sich eine Stunde Zeit.

SPIEGEL: Herr Bundeskanzler, die EU-Ratspräsidentschaft Österreichs steht unter dem Motto »Ein Europa, das schützt«. Wer soll da vor wem geschützt werden?

Kurz: Wir wollen in den kommenden Monaten all das stärken, was unser Europa ausmacht. Es geht um Sicherheit, Ordnung und den gemeinsamen Schutz der Außengrenzen. Wir müssen aber auch an unserer Wettbewerbsfähigkeit arbeiten, um im weltweiten Konkurrenzkampf den Wohlstand zu verteidigen, den wir uns erarbeitet haben. Meine Generation sieht Europa und seine Erfolge heute oft als zu selbstverständlich an.

SPIEGEL: Bitte beantworten Sie unsere Frage: Wer soll vor wem geschützt werden?

Kurz: Unser Wohlstand, unsere Wirtschaft, soziale Sicherheit, unsere Werte und, wenn Sie die Frage auf die Migration verengen wollen, natürlich geht es mir um Schutz vor den Schleppern, die mit Flüchtlingen und deren Leid Geld verdienen.

SPIEGEL: Was wollen Sie als amtierender EU-Ratspräsident in der Flüchtlingsfrage bis Ende des Jahres erreicht haben?

Kurz: Dass die Trendwende, die wir eingeleitet haben, fortgesetzt wird. Beim vergangenen EU-Gipfel im Juni einigten…

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Nr. 37/2018