Lesezeit 11 Min
Verbrechen

„Ich konnte nicht mal weinen“

Eine Hamburger Boxerin wirft einem renommierten Trainer sexuelle Gewalt vor. Die Verbandsfunktionäre bagatellisieren den Fall, die anstehende Weltmeisterschaft in der Stadt scheint ihnen wichtiger zu sein.

NELE MARTENSEN / DER SPIEGEL
von
Lukas Eberle
und
Ann-Katrin Müller
Lesezeit 11 Min
Verbrechen

Mit 17 Jahren zog Laura Weber* zu Hause aus, um sich ihren Lebenstraum zu erfüllen. Sie wollte einmal bei den Olympischen Spielen boxen. Sie zog von Hamburg nach Schwerin, an den Bundesstützpunkt der Boxer. Vier Jahre später kehrte sie nach Hamburg zurück, ohne Medaillen, ohne Olympia. Heute quälen sie nachts Albträume, am Tag schluckt sie Psychopharmaka.

Laura Weber sagt, dass sie in Schwerin vom damaligen Landestrainer Christian M. bedrängt und belästigt worden sei. Der Trainer habe sie bei Wettkämpfen und Lehrgängen im Ausland missbraucht, erzählt Weber. 2011 sei das gewesen, die Boxerin war da noch minderjährig.

Weber hat auf einem Sessel in Hamburg Platz genommen, sie ist inzwischen 23. Sie hat die Füße umeinandergeschlungen, eine zierliche Frau, die Fingernägel akkurat bepinselt, und wenn sie lächelt, strahlt ihr ganzes Gesicht. Doch sie lächelt nur selten.

Im Dezember erstattete Weber Anzeige gegen Christian M., die Staatsanwaltschaft in Schwerin hat Ermittlungen nach Paragraf 174 des Strafgesetzbuchs aufgenommen, wegen des "Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen", teilt sie mit. Der Fall trägt das Aktenzeichen 126 Js 3675/17. Es werden zurzeit mehrere Zeugen vernommen, andere Boxer, Trainer, der Vater und der Exfreund von Laura Weber haben schon ausgesagt. Sie selbst auch. Vier Stunden lang erzählte Weber der Polizei, was der Trainer ihr angetan haben soll. Nach der Befragung musste sie in eine psychiatrische Klinik…

Jetzt weiterlesen für 0,88 €
Nr. 27/2017