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Politik

„Ich halte nichts von reiner Lehre“

Fraktionschefin Andrea Nahles, 47, über die Fehler ihrer Partei in der Globalisierungsdebatte, die Große Koalition und ihre Pläne für ein lebhafteres Parlament

HANNES JUNG / DER SPIEGEL
von
Veit Medick
und
Michael Sauga
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Politik

SPIEGEL: Frau Nahles, was sagen Ihnen die Zahlen 34, 23, 20,5?

Nahles: Das klingt nach Wahlergebnissen der SPD.

SPIEGEL: Es sind die SPD-Stimmanteile bei der Bundestagswahl 2005 sowie nach den beiden Großen Koalitionen 2009 und 2017. Da nun erneut eine schwarz-rote Zusammenarbeit in Rede steht, fragen wir uns: Wie weit soll es mit der Sozialdemokratie noch bergab gehen?

Nahles: Ich will, dass es wieder aufwärtsgeht. Dafür müssen wir uns anstrengen. Die richtige Aufarbeitung unserer Niederlage steht uns noch bevor.

SPIEGEL: Und das soll nun ausgerechnet in einer Großen Koalition geschehen, mit der Ihre Partei wiederholt schlechte Erfahrungen gemacht hat. Warum wollen Sie, wie es der Vorsitzende Ihrer Jugendorganisation ausgedrückt hat, immer wieder gegen dieselbe Wand laufen?

Nahles: Ich bestreite, dass die Schwäche der deutschen und europäischen Sozialdemokratie mit der Form der Regierung zu tun hat. Der SPD ist es in den vergangenen Jahren nicht gut gelungen, eine glaubwürdige Konzeption für eine moderne und gerechte Gesellschaft zu entwerfen und zu vermitteln. Wir haben viel von Zusammenhalt und Solidarität gesprochen, aber die SPD hat es in den letzten Jahren vernachlässigt, ihre Rolle als Bindeglied zwischen Verlierern und Gewinnern der Veränderungen unserer Zeit wahrzunehmen. Dafür trägt nicht die Union die Schuld.…

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Nr. 52/2017