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Politik

„Ich habe Sie nicht ausgepfiffen!“

Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt, 51, und Bauernpräsident Joachim Rukwied, 56, über Massentierhaltung, Agrarwüsten und die Landwirtschaft der Zukunft

GORDON WELTERS / DER SPIEGEL
von
Philip Bethge
und
Ann-Katrin Müller
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Politik

SPIEGEL: Herr Rukwied, fühlen sich die Bauern durch die Grünen diffamiert?

Rukwied: Ich stelle zumindest immer wieder fest, dass manche Grüne gern polarisieren und mit Schlagworten wie Massentierhaltung und Tierqual um sich werfen. Auch ich suche nach Lösungen, aber nicht mit dieser Art der Konfrontation.

Göring-Eckardt: Wir diffamieren nicht, im Gegenteil. Wir lieben Landwirtschaft und gute Lebensmittel. Aber nicht Läusegift, Antibiotika im Stall und Maiswüsten, wo einst blühende Landschaften waren. Wir wissen, dass wir die Wende zu einer guten Landwirtschaft nur gemeinsam schaffen können. Wir zwei könnten Partner sein.

Rukwied: Grüne Politiker unterstellen oft, dass die Bauernfamilien ihre Tiere nicht tiergerecht behandeln, sie nur als Ware verstehen. In der Regel sind Bauern und Bäuerinnen aber Menschen, die einen Familienbetrieb übernehmen, dann bewirtschaften und ihn auch an eine nächste Generation weitergeben wollen, also nachhaltig arbeiten.

Göring-Eckardt: Das ist mir jetzt zu romantisierend. Wir haben schon lange nicht mehr die kleinbäuerliche Landwirtschaft der Vergangenheit, wie auf den Verpackungen der Industrie suggeriert wird. Stattdessen sind seit 1975 Hunderttausende Höfe weggestorben, es geht immer mehr hin zu großen Agrarfabriken, nach dem Slogan "Wachse oder weiche".

SPIEGEL: Sehen Sie keine…

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Nr. 36/2017