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Gesellschaft

„Ich habe alles gegeben“

Harald Wohlfahrt ist einer der besten deutschen Köche. Nach seinem unfreiwilligen Aus in der Traube Tonbach hadert er damit, was er sich jahrzehntelang angetan hat.

BORIS SCHMALENBERGER / DER SPIEGEL
von
Alexander Kühn
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Gesellschaft

Wohlfahrt, 62, zählt zu den einflussreichsten Vertretern seiner Zunft, mehrere Sterneköche lernten bei ihm. 37 Jahre lang leitete er das Restaurant Schwarzwaldstube in Baiersbronn, das zum Hotel Traube Tonbach gehört. Nun berät er unter anderem die Gastronomie des Festspielhauses Baden-Baden.

SPIEGEL: Herr Wohlfahrt, wenn Sie beim Kredenzen eines Fünf-Gänge-Menüs tot umfielen – wäre das ein würdiges Ende?

Wohlfahrt: Den Gedanken hatte ich noch nie. Ich möchte nicht in der weißen Jacke rausgetragen werden, vielleicht noch mit dem Löffel in der Hand. So stelle ich mir das nicht vor, dass man am Arbeitsplatz, an dem man immer so viel von sich gegeben hat, auch noch sein Leben lassen muss.

SPIEGEL: Rockstars oder Schauspieler sagen ja gern, dass der Tod sie am liebsten auf der Bühne ereilen solle.

Wohlfahrt: Nun bin ich weder das eine noch das andere.

SPIEGEL: Aber doch auch ein Künstler.

Wohlfahrt: Kochen ist zunächst Handwerk, und in manchen Fällen kommt Kunst heraus. Ich hatte Esserlebnisse, die so prägend waren, dass sie mir bis zur Stunde im Gedächtnis geblieben sind. Ich erinnere mich an einen Besuch beim Sternekoch Joël Robuchon in Paris, 35 Jahre ist das her, es gab Perigord-Trüffel auf einem Zwiebelragout mit Speck, ein puristisches Gericht, aber mit einem Duft, einem Ausdruck und einer Wildheit, dass es…

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Nr. 51/2017