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„Ich bin nachdenklich geworden“

BMW-Chef Harald Krüger, 50, verteidigt die Kaufprämie für Elektroautos und zeigt Verständnis für die Kritik an der Autoindustrie.

FLORIAN JAENICKE / DER SPIEGEL
von
Dietmar Hawranek
und
Simon Hage
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SPIEGEL: Herr Krüger, BMW hat im vergangenen Jahr so viele Autos verkauft wie noch nie und den höchsten Umsatz sowie den größten Gewinn der Geschichte erwirtschaftet. Dennoch gehen Sie zusammen mit Ihren Kollegen der anderen Hersteller betteln beim Staat: Er soll mit einer Kaufprämie den Absatz von Elektroautos fördern. Das können Sie doch niemandem erklären, oder?

Krüger: Zunächst einmal bekommen ja nicht wir das Geld. Im Gegenteil: Wir zahlen die Hälfte. Diese Beteiligung der Unternehmen ist weltweit eine ziemliche Ausnahme. Es ist der Kunde, der eine Prämie als Kaufanreiz erhält. Außerdem ist sie nur ein Mittel zum Zweck. Die Bundesregierung will die nachhaltige Elektromobilität fördern. In China, den Niederlanden oder Norwegen haben ähnliche Prämien einen deutlichen Nachfrageschub ausgelöst.

SPIEGEL: Die Kaufprämie verstärkt den Eindruck: Wenn die Autoindustrie pfeift, dann macht die Politik Männchen. Ihre Lobby ist mächtiger als Finanzminister Wolfgang Schäuble, der diese Staatshilfe lange ablehnte. Sehen Sie nicht die Gefahr, dass solche Entscheidungen das Misstrauen in die Demokratie fördern?

Krüger: Diesem Eindruck müssen wir unbedingt entgegenwirken. Die Automobilindustrie ist seit Bekanntwerden der Dieselaffäre unter starker Beobachtung der Öffentlichkeit. Deshalb müssen wir Vertrauen zurückgewinnen. Dazu gehört es, dass Industrie und Regierung gemeinsam ihre…

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Nr. 19/2016