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Politik

"Ich bin kein Populist"

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, 61, über sein Verhältnis zu Sigmar Gabriel, seine Strategie gegen Angela Merkel und mögliche Begegnungen mit Donald Trump

HERMANN BREDEHORST / DER SPIEGEL
von
Klaus Brinkbäumer
,
Markus Feldenkirchen
und
Horand Knaup
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Politik

SPIEGEL: Herr Schulz, können wir uns darauf einigen, dass es bei Ihrer Nominierung zum Kanzlerkandidaten und Parteichef um die Außendarstellung ging? Also um die Anmutung der SPD, nicht um ihre Programmatik?

Schulz: Nein. Aber ganz offensichtlich stößt die Art und Weise, wie ich Politik betreibe, auf positive Resonanz. Weil die Menschen sich in Zeiten des Umbruchs nichts sehnlicher wünschen als Haltung und Aufrichtigkeit. Die Prinzipien der SPD sind seit 150 Jahren dieselben: Demokratie, Menschenwürde, Gerechtigkeit und Teilhabe. An denen werden wir nie etwas ändern.

SPIEGEL: Die SPD wird von einer Welle der Euphorie überrollt. Nur einer tut sich schwer damit: Sigmar Gabriel. Verstehen Sie, dass er das anders empfindet?

Schulz: Es ist in der deutschen Parteiengeschichte ein einmaliger Vorgang, dass der amtierende Vorsitzende und Vizekanzler seine eigene Ambition mit der Begründung zurückstellt, dass ein anderer bessere Chancen habe. Ich halte das für eine große charakterliche Leistung.

SPIEGEL: Fein. Aber das war nicht unsere Frage.

Schulz: Aber das war meine Antwort.

SPIEGEL: War es in Ordnung, dass Gabriel selbst Ihnen nichts von dem großen Interview erzählt hat, in dem er seinen Rücktritt erklärte?

Schulz: Ich habe ihm meine Meinung unter vier Augen gesagt, ich muss das nicht noch einmal über den SPIEGEL tun.

SPIEGEL: Sigmar Gabriel hat zu erkennen gegeben, dass er auch über die Wahl hinaus gern Außenminister bliebe. Sind Sie einverstanden?

Schulz: Der Wunsch ist verständlich, wenn man solch ein Amt übernimmt. Aber ich glaube, dass ich Sigmar in diesem Punkt enttäuschen muss. Wir werden nämlich die stärkste Fraktion stellen, und ich werde Bundeskanzler. Und weil ich nicht davon ausgehe, dass wir die absolute Mehrheit gewinnen, wird möglicherweise ein Koalitionspartner den Posten des Außenministers beanspruchen.

SPIEGEL: Haben Sie das schon besprochen?

Schulz: Ich bitte um Verständnis, dass ich zunächst mal die Bundestagswahl gewinnen will.

SPIEGEL: Eines der zentralen Themen im Lande ist…

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Nr. 6/2017