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Politik

„Ich bin gescheitert“

Der ehemalige AfD-Chef Bernd Lucke, 52, geht mit sich und seiner Expartei hart ins Gericht. Heute bereut er, dass er nicht früher öffentlich gegen die rechten Kräfte einschritt.

JOHANNES ARLT / DER SPIEGEL
von
Christiane Hoffmann
und
Melanie Amann
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Politik

SPIEGEL: Herr Lucke, Sie waren Vorsitzender und Gründer Ihrer Partei, der Alternative für Deutschland. Wie haben Sie den Parteitag verarbeitet, bei dem Sie abgewählt wurden?

Lucke: Erstaunlich gut. Es war zwar für mich sehr schmerzlich, aus der AfD auszutreten, weil ich viel Herzblut in die Partei investiert habe. Aber dass die AfD zu entgleisen drohte, war mir seit längerer Zeit bewusst, und die Vehemenz, mit der das auf dem Parteitag in Essen zum Ausdruck kam, war für mich dann auch eine Befreiung. Es war plötzlich völlig klar, dass alle Hoffnungen, das Ruder noch einmal herumreißen zu können, illusionär waren. Die Entscheidung zum Austritt war dann zwangsläufig.

SPIEGEL: Woran sind Sie gescheitert?

Lucke: Ich bin daran gescheitert, dass im Laufe der Zeit sehr viele Leute in die Partei eingetreten sind, die ganz andere politische Ziele verfolgten als unsere ursprünglichen. Sie fassten das Wort Alternative so auf, als müsste man zu allem, was in Deutschland etabliert ist, radikal andere Positionen vertreten. Dadurch hat sich eine Stimmung der Fundamentalopposition breitgemacht gegenüber der EU, gegenüber der Nato, gegenüber der Zuwanderung, gegenüber dem Islam. Wie stark diese Strömung wurde, habe ich zu spät erkannt. Das ist mein Fehler. Daran bin ich gescheitert.

SPIEGEL: Sie haben sich nicht vorstellen können, dass die AfD rechte Kräfte anzieht?

Lucke: Vielleicht war ich naiv. Ich hatte angenommen, dass weit überwiegend vernünftige Bürger zur Partei stoßen, die die…

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Nr. 31/2015