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Kultur

„Ich bin ausgelutscht worden“

Komiker Hape Kerkeling, 50, hadert mit seiner TV-Karriere. Er hat sich aus dem Fernsehen zurückgezogen und will nur noch Autor sein. Sein erstes Buch wurde nun verfilmt.

URBAN ZINTEL / DER SPIEGEL
von
Alexander Kühn
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SPIEGEL: Herr Kerkeling, Sie sind uns ein Rätsel.

Kerkeling: Das freut mich!

SPIEGEL: In Ihren Büchern haben Sie sehr viel von sich offengelegt. Sie haben über Ihren Burn-out geschrieben, durch den Sie zum Pilger wurden, und über den Freitod Ihrer Mutter. Vor unserem Treffen hingegen haben Sie darum gebeten, dass wir über nichts Privates oder Persönliches sprechen. Wie passt das zusammen?

Kerkeling: Recht gut, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Was ich mit meinem Leser unter vier Augen teile, ist etwas ganz anderes als das, was ich mit Ihnen in einem öffentlichen Interview besprechen kann.

SPIEGEL: Sie reden in Interviews nicht darüber, mit wem Sie Ihr Leben teilen, wo Sie wohnen, wie es bei Ihnen aussieht.

Kerkeling: Ich lasse weder die "Bunte" noch den SPIEGEL ins Haus und stehe auch nicht mit der Familie und dem Hund für Fotos zur Verfügung. Ein Tabu. Das habe ich noch nie gemacht. Doch, halt, einmal! Es gibt eine Homestory von 1986, da stehe ich mit einem Staubsauger vor meinem Ikea-Sofa. In Pantoffeln! Meine damalige Plattenfirma wollte es so. Das wird es nie wieder geben.

SPIEGEL: Was darf man denn nicht wissen über Sie?

Kerkeling: Es geht nicht um Dürfen oder Nichtdürfen. Ich finde es geschmacklos, alles in die Öffentlichkeit zu tragen. Ich möchte auch nicht mit dem Privatleben von Kollegen behelligt werden. Leider ist das gang und gäbe. Bei manchen Leuten frage ich mich: Haben die auch einen Beruf, oder erzählen die nur noch, was sie zu Hause machen?

SPIEGEL: Als Autor behält man die Kontrolle über das Erlebte. Ist das der Punkt?

Kerkeling: Die habe ich ja nicht. Ich habe es beispielsweise nicht im Griff, ob der Leser mir folgt. Ich kann höchstens die Weichen stellen. Als ich mein erstes Buch "Ich bin dann mal weg" schrieb, habe ich überlegt: Wie bekomme ich es hin, dass der Leser vergisst, dass es um den Hape Kerkeling geht, den er aus dem Fernsehen kennt? Er sollte das Gefühl haben, dass er einem mehr oder weniger normalen Menschen folgt, der sich auf den Jakobsweg begibt mit den Fragen: Wer bin ich? Was ist Gott?

SPIEGEL: Haben Sie Schreibrituale?

Kerkeling:…

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Nr. 50/2015