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Politik

„Ich bin aus hartem Holz“

Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz, 61, hält die Zeit der Intrigen in der Parteispitze für beendet, sieht keinen Automatismus in Richtung Große Koalition und fordert eine Neugründung der EU.

GENE GLOVER / DER SPIEGEL
von
Markus Feldenkirchen
und
Veit Medick
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Politik

SPIEGEL: Herr Schulz, Sie erklärten am 25. September, dem Tag nach der Wahl, vor laufenden Kameras: "Ganz klar: In eine Regierung von Angela Merkel werde ich nicht eintreten." Erinnern Sie sich?

Schulz: Na klar. Ich erinnere mich sogar an den Journalisten, auf dessen Frage ich damit geantwortet habe.

SPIEGEL: Am 28. Oktober sagten Sie in einem Interview: "Wenn die schwarze Ampel scheitert, wird es eine Neuwahl geben müssen."

Schulz: Habe ich nicht vergessen.

SPIEGEL: Und am Montag nach dem Scheitern der Jamaikasondierungen untermauerten Sie und der Vorstand Ihrer Partei Ihre Entscheidung sogar erneut, nicht für eine Große Koalition zur Verfügung zu stehen. Da Sie nun wissen, dass Sie doch Gespräche mit der Union führen werden: Waren Ihre Aussagen und Beschlüsse nicht eine Riesen-Eselei?

Schulz: Wir waren alle fest davon ausgegangen, dass eine Jamaikakoalition zustande kommt. Dass die beteiligten Parteien so krachend gescheitert sind, hat zu einer völlig veränderten politischen Lage im Land geführt. Politik ist ein dynamischer Prozess, und Parteien wie die SPD müssen sich dann auch auf neue Lagen einstellen. Auch wenn das nicht immer zwingend elegant aussieht.

SPIEGEL: Wie konnten Sie bitte fest davon ausgehen, dass Jamaika kommt? Wieso hatten Sie keinen Plan B? Das war entweder politisch naiv oder fahrlässig.

Schulz: Der Wahlkampf hatte gezeigt, dass alle vier Parteien, die da um den Tisch saßen, wild entschlossen waren, diese Koalition zu bilden. Man konnte berechtigterweise davon ausgehen, dass das klappt. Ich habe nicht geahnt, dass es bei der FDP eine Langzeitplanung gab, die Partei neu und anders zu positionieren. Und dass die…

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Nr. 49/2017