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Honig im Kopf

Tausende Stunden hat der US-Biologe Thomas Seeley damit verbracht, Bienen zu beobachten, bis sich ihm in ihrem Gewusel Muster offenbarten. Sie zeigen: Da ist eine verblüffende Intelligenz am Werk – Menschen können davon lernen.

BRIAN FINKE / DER SPIEGEL
von
Johann Grolle
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Hinten, am kleinen Weiher, da blüht etwas. Thomas Seeley weiß das, ohne nachzusehen. Schließlich studiert er seit mehr als 40 Jahren die Sprache der Bienen.

"Hier unten, wo es am meisten wimmelt, ist ihre Jobbörse", sagt der Forscher. "Da holen sich die Arbeiterinnen ihre Aufträge ab." Im Moment tänzeln gerade vier oder fünf der heimkehrenden Bienen aufgeregt in einer Richtung, die "Nordwest" bedeutet. Im Nordwesten also, wo der kleine Fischteich liegt, haben sie offenbar eine reichhaltige Futterquelle aufgespürt.

Seeley ist ein weltweit bedeutender Bienenforscher. In einer Baracke am Rand des Universitätsstädtchens Ithaca im US-Bundesstaat New York hat er sich sein Reich eingerichtet. Hier kann er ungestört in die Welt der Bienen eintauchen.

Hinten am Schotterplatz stehen seine Bienenstöcke. Weitere Völker wohnen in Schaukästen im Haus. In die Wand sind Rohre eingelassen, durch die die Bienen Zugang zu ihrem Nest haben. Jedes Insekt ist mit Nummer und Farbe markiert. So können Seeley und seine Mitarbeiter die Aktivitäten jedes Tiers verfolgen und protokollieren.

Oben krabbeln die Ammen über die Waben. Unten, auf dem Tanzplatz, tauschen sich die Nektarsammlerinnen aus. Probleme gibt es derzeit mit der Königin. "Sie haben sie getötet", berichtet eine von Seeleys Doktorandinnen. Es erfordert viel Geschick, in ein Bienenvolk eine fremde Königin einzuschleusen. "Du musst es eben noch einmal versuchen", sagt Seeley. Geduld zählt zu den…

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Nr. 42/2017