Lesezeit 13 Min
Verbrechen

Hölle im Dschungel

Schmuck und Smartphones enthalten Gold, dessen Förderung Menschen vergiftet und die Natur zerstört. Kartelle kontrollieren das Geschäft, in Peru haben die Goldsucher Teile des Regenwalds in toxische Wüsten verwandelt. Reise in eine apokalyptische Landschaft.

PHILIP BETHGE / DER SPIEGEL
von
Philip Bethge
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Verbrechen

Zehntausende Goldwäscher gegen ein Dutzend Marinesoldaten? Ein ungleicher Kampf. Deshalb haben Leutnant Giancarlo Boggiano und seine Männer Sprengstoff an Bord.

"Zwei Minuten bis zur Explosion!", ruft der Offizier der peruanischen Marine, als die Zünder scharf geschaltet sind. Die Soldaten springen ins Boot. Der Motor heult auf, mit voller Kraft voraus geht es hinüber zur anderen Flussseite. Ein ohrenbetäubender Knall; dann verglüht das Floß der Goldwäscher in einem Feuerball.

Schwarze Rauchschwaden steigen über dem Fluss Malinowski und der angrenzenden Reserva Nacional Tambopata auf, Heimat von Jaguaren, Tapiren und tausend Jahre alten Bäumen.

Der Regenwald im Südosten Perus ist einer der artenreichsten Urwälder der Erde. Die Soldaten sind hier, um diese Kostbarkeit vor einer Übermacht illegaler Goldwäscher zu schützen. Dafür sprengen sie in die Luft, was ihnen an Schürferausrüstung in die Hände fällt.

Doch der Wumms im Dschungel kann nicht darüber hinwegtäuschen: Die Spezialkräfte kämpfen auf verlorenem Posten.

Das Gold der Anden ist legendär. Spaniens Konquistadoren suchten nach dem sagenhaften Goldland "Eldorado". Heute strömen Zehntausende Glücksritter an die

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Gold aus Madre de Dios: Mit Quecksilber aus dem Sediment gelöst

Flüsse des Amazonasbeckens, um das Metall zu bergen.

Ein moderner Goldrausch hat Lateinamerika erfasst. Es ist wie früher im Wilden Westen: Die Ärmsten der Armen, die Verzweifelten und die Hasardeure folgen dem Ruf des Goldes, nicht nur in Peru, auch in Kolumbien, Venezuela, Bolivien, Ecuador.

Erst roden sie den Urwald entlang der…

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Nr. 28/2018