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Technik

Gute dumme Wagen

Mit dem ICE der vierten Generation bringt die Bahn 130 neue Züge aufs Gleis. Es ist ein Neustart nach einer schier endlosen Pannenserie. Kann er gelingen?

FERDINAND KUCHLMAYR / DER SPIEGEL
von
Christian Wüst
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Technik

Er ist sauber, dieser Zug, noch unbenutzt; man wagt kaum, ihn zu betreten. An den Türen liegen Überzieher für die Schuhe. Innen leuchtet mildes Diodenlicht in wechselnden Farbtönen.

So bunt wird ihn künftig jeder Fahrgast erleben, den neuen ICE: Morgens empfängt er den Reisenden in kühlem Blau und hüllt ihn zu fortschreitenden Tageszeiten in zunehmend warmes Grün und Rot. "Ich habe das am Anfang für Spielkram gehalten", sagt Ulrich Höbel. "Jetzt gefällt es mir wirklich gut."

Höbel ist "Projektmanager ICE4" bei der Deutschen Bahn, ein Ingenieur der Fahrzeugtechnik, der einst Autos konstruieren wollte und nun seit nahezu zehn Jahren die bedeutendste Eisenbahnentwicklung der Republik betreut. Die Bahn spricht vom "zukünftigen Rückgrat des Fernverkehrs".

130 neue Züge sollen in den kommenden sieben Jahren von dem Generalunternehmer Siemens und seinem Hauptlieferanten Bombardier produziert werden. Es ist der größte Auftrag in der Geschichte des deutschen Personenfernverkehrs; 5,3 Milliarden Euro sind dafür eingeplant.

Höbel sitzt im Speisewagen des ersten ausgelieferten Exemplars. Es hat zwölf Wagen, 830 Sitzplätze und knapp zehn Megawatt Antriebsleistung. Der Speisewagen ist recht ansehnlich geraten: rotbraune Lederbezüge, eine gläserne Kuchentheke. Auch hier, sagt Höbel, sei zunächst eine anspruchsvollere Beleuchtung geplant gewesen. Mit Laserlicht und Reflektoren, die dann aber nicht die gewünschten Effekte gebracht hätten.

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Nr. 37/2016