Lesezeit 8 Min
Politik

„Grundsätzlich ist Liebe da“

Präsident Andrzej Duda über den Zustand der Demokratie in seinem Land, die Frage der Flüchtlinge und das Verhältnis zu den Deutschen

WITOLD KRASSOWSKI / DER SPIEGEL
von
Jan Puhl
Lesezeit 8 Min
Politik

Der Jurist Duda, 43, war außerhalb der nationalkonservativen Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) kaum bekannt, bis ihn Parteichef Jarosław Kaczyński im Frühjahr als Spitzenkandidat in den Präsidentschaftswahlkampf schickte. Der umgänglich und modern wirkende Duda gewann mit sozialen Versprechen statt nationalistischen Parolen. Seitdem die neue PiS-Regierung mit dem Verfassungsgericht im Streit liegt und Zehntausende auf die Straße gehen, sind die Umfragewerte der Partei dramatisch gefallen.

SPIEGEL: Herr Präsident, Europa fürchtet um den Zustand der Demokratie in Polen. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz rückt Ihr Vorgehen sogar in die Nähe eines "Staatsstreichs". Verstehen Sie diese Sorgen?

Duda: Nicht nur ich, sondern viele Polen empfinden das, was Herr Schulz gesagt hat, als grobe Übertreibung, ja sogar als beleidigend für Polen und die polnischen Bürger. Im Frühjahr hat es hier eine Präsidentschaftswahl und im Herbst eine Parlamentswahl gegeben, die zu einem Machtwechsel geführt haben. Das gefällt vielen nicht, abgewählten Politikern wie Journalisten aus dem anderen politischen Lager. Sie versuchen, die neue Regierung in ein möglichst schlechtes Licht zu rücken. Schulz ist ein linker Politiker, er gehört einer anderen politischen Richtung an als die Konservativen, die hier gewonnen haben. Seine Äußerungen verstehe ich als Teil eines politischen Wettstreits – und der gehört nun mal zur Politik…

Jetzt weiterlesen für 0,84 €
Nr. 53/2015