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Wirtschaft

Grüner Anstrich

Beim Berechnen des Energiebedarfs von Häusern wird munter getrickst. Der wahre Verbrauch ist viel höher. Mieter und Hauskäufer zahlen drauf.

FELIX ADLER / DER SPIEGEL
von
Gerald Traufetter
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Wirtschaft

Auf den ersten Blick wirkt Klaus Knoll wie ein sanfter, freundlicher Mann. Das mag an seinen weißblonden Haaren liegen, dem eleganten Tweed-Sakko oder dem Lächeln, mit dem er seine Besucher empfängt.

Doch in der deutschen Baubranche ist der Ingenieur gefürchtet. Knoll kommt immer dann ins Spiel, wenn etwas schiefgegangen ist. In Berlin tauchte der 67-Jährige schon am unvollendeten Hauptstadtflughafen und an mehreren Regierungsgebäuden auf, in Frankfurt am Main im Bankenviertel. "In vielen Fällen bestellen mich Richter als Sachverständigen für einen Prozess", erzählt der promovierte Ingenieur.

Seine Spezialität sind die technischen Ausrüstungen von Gebäuden: Klimaanlagen, Heizungen, Warmwasser. Alles, was mit Energie zu tun hat. Knoll kennt sich aus mit den Tricks der Baufirmen, der Handwerker, Architekten und Bauingenieure; mit ihren Schlampereien, den Manipulationen und dem dreisten Betrug.

In seinem Leipziger Büro tippt Knoll Zahlenkolonnen in seinen Laptop. Er will zeigen, was im deutschen Bauwesen seit geraumer Zeit schiefläuft. Die Gebäude des Landes, ob Einfamilien- oder Hochhaus, Schule oder Fabrikgebäude, werden nach seinen Erkenntnissen "am Computer grün gerechnet", ganz systematisch.

Alle Fachleute wüssten das, die Politik, die Behörden, die Investoren, die Baufirmen und Ingenieure, sagt Knoll. "Aber niemand macht etwas dagegen. Alle profitieren schließlich davon."

Alle – bis auf Mieter und ahnungslose…

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Nr. 18/2018