Lesezeit 9 Min
Wirtschaft

Gestern da, heute weg

Die kalifornischen Wildfeuer ebnen halbe Städte zu Staub. Die Glut trifft Bedürftige und Reiche – aber nur die Armen vertreibt sie dauerhaft. Wie fängt man bei null wieder an?

TIMOTHY ARCHIBALD / DER SPIEGEL
von
Guido Mingels
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Wirtschaft

Alles ist verschwunden, außer den Bäumen, ausgerechnet. Sie, die zuerst brannten und den Funken weiterreichten, damals, vor bald einem Jahr. Totes Holz zwar, aber es steht noch, schwarz verkohlte Totempfähle. So ziemlich alles andere war eingeebnet, zu Asche und Staub, fast 3000 Häuser, hier, in Santa Rosa, Kalifornien, nur eine Autostunde nördlich von San Francisco, wo eines der verheerendsten Feuer wütete, die der Bundesstaat kannte. Die großen Wildfeuer kriegen ehrgebietende Namen, so wie Orkane und Tiefdruckgebiete, »Tubbs Fire« hieß dieses, benannt nach einem Weingut, wo es seinen Anfang nahm.

Am Horizont, weit weg, sieht man auch an diesem Tag im August einen mächtigen Rauchpilz am Himmel, der kommt vom »Ranch Fire«, oder vom »River Fire«, schwer zu sagen, über tausend Quadratkilometer stehen zu diesem Zeitpunkt in Flammen. Dieser Anblick und die täglichen Schlagzeilen bringen für die Menschen in Santa Rosa die schmerzlichen Erinnerungen an das Inferno zurück. Weiter nördlich wüten weitere Brände, »Carr Fire«, »Hirz Fire«. Dort, im Norden, wiederholt sich in diesem Sommer für Tausende amerikanische Hausbesitzer, was Steve Rahmn schon hinter sich hat: der Verlust von allem, was er besaß.

»Hier stand unser Haus«, sagt Rahmn, 50, Projektmanager bei einer Elektroanlagenfirma, und er weiß wohl selbst nicht, warum er dabei lacht . Vielleicht weil alles so ungeheuer ist, so unbegreiflich, immer noch. Gestern alles da, heute alles weg. Rahmn ist ein…

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Nr. 35/2018