Lesezeit 8 Min
Politik

Geisterflotte

Bei der Marine ist eine ganze Waffengattung ausgefallen. Was machen U-Boot-Fahrer ohne Boot?

HELENA LEA MANHARTSBERGER / DER SPIEGEL
von
Konstantin von Hammerstein
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Politik

Der Nebel hat sich hinter das Ufer verzogen, die Ostsee liegt glatt und glitzernd da. Manfred Grabienski kneift die Augen zusammen, die Kapitänsmütze hat er tief ins Gesicht geschoben. »Ach«, seufzt er, »diese Silhouette, ist sie nicht elegant?«

Lars Johst antwortet nicht. Er hängt seinen Gedanken nach. Schweigend stehen die beiden Fregattenkapitäne nebeneinander und blicken aufs Meer. Lautlos gleitet »U 31« in die Hafeneinfahrt, zwei Möwen paddeln in aller Ruhe zur Seite, und jetzt ist es Johst, der leise seufzt. Das Boot fährt, wenigstens das.

Mehr kann er in diesen Tagen nicht erwarten. Johst ist Kommandeur einer Geisterflotte. Er befehligt das »1. Ubootgeschwader« der Marine in Eckernförde, Grabienski leitet das Ausbildungszentrum. Schon die Nummerierung der Einheit ist irreführend, ein zweites Geschwader gibt es nicht. Johst unterstehen die letzten U-Boote, die der Bundeswehr nach dem Ende des Kalten Kriegs geblieben sind. Früher waren es 24, jetzt sind es noch 6. Kein einziges ist einsatzbereit.

Als »U 31« an diesem Nachmittag an der Kaimauer vertäut ist, klettern Techniker mit Laptoptaschen aus dem Bauch. 19 Monate lang lag das älteste U-Boot der Marine in Kiel im Dock, jetzt fährt es endlich wieder. Doch nun muss monatelang getestet werden, ob das komplizierte Zusammenspiel der Hightechsysteme an Bord auch nach der Reparatur noch funktioniert. Erst dann kann »U 31« wieder in den Einsatz. Die anderen fünf Boote sind in der Werft oder…

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Nr. 15/2018