Lesezeit 18 Min
Verbrechen

Gefangene einer Nacht

Eine Amerikanerin geht in Las Vegas zur Polizei. Sie behauptet, von einem Sportler vergewaltigt worden zu sein: Cristiano Ronaldo. Ob das wirklich geschah, wird nie aufgeklärt. Rechtsanwälte regeln den Fall, der Real-Star zahlt.

ROBERT GALLAGHER / DER SPIEGEL
von
Rafael Buschmann
,
Christoph Henrichs
,
Gerhard Pfeil
,
Antje Windmann
und
Michael Wulzinger
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Verbrechen

Gott sei immer an seiner Seite. Er könne das fühlen, sagt Cristiano Ronaldo. "Da ist jemand, der mich lenkt."

Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro, 32, geboren in Funchal auf Madeira, getauft in der Kirche Santo António, gesegnet mit Talent. Der Weltfußballer von Real Madrid bekreuzigt sich oft nach einem wichtigen Tor oder schickt mit einer Geste Grüße in den Himmel.

Eine Zeit lang trug er zum Zeichen seiner Gläubigkeit auch einen Rosenkranz um den Hals. Es gibt Fotos von Ronaldo, auf denen die Gebetskette zu sehen ist. Sie ist weiß. Die Farbe der Unschuld.

Der weiße Rosenkranz blieb auch einer jungen Frau in Erinnerung, die Ronaldo am 12. Juni 2009 in Las Vegas getroffen hat. Er machte dort Urlaub mit seinem Schwager und einem Cousin. Die Amerikanerin war die Zufallsbekanntschaft einer langen Partynacht. Ein Flirt. Irgendwann landeten die hübsche Frau und der berühmte Kicker im Schlafzimmer einer Suite im Palms Place Hotel.

Laut einem Polizeiprotokoll soll es da schon früh am Morgen gewesen sein.

Was in jener Nacht und in diesem Schlafzimmer geschehen sein soll, beschreibt Susan K. in einem Brief an Ronaldo, den sie über ein Jahr nach der Begegnung verfasste. Er ist verstörend. Ein langer, gellender Aufschrei.

K. behauptet darin, von Ronaldo vergewaltigt worden zu sein. Der weiße Rosenkranz, "the white rosary", taucht ungefähr in der Mitte des Briefes auf. "Du sprangst von hinten auf mich", schreibt Susan K., "mit einem weißen Rosenkranz um deinen Hals!!" Es folgen zwei Fragesätze, die sie mit Ausrufezeichen beendet:

"Was würde Gott darüber denken!!!

Was würde Gott über Dich denken!!!"

Der Brief von Susan K. an Ronaldo liegt dem SPIEGEL vor. Er gehört zu einer Dokumentensammlung, die das Enthüllungsportal Football Leaks dem Nachrichten-Magazin überlassen hat. Das Schreiben, fast sechs Seiten lang, ist eine wütende Anklage. Aber entsprechen die Schilderungen K.s auch der Wahrheit?

Der Inhalt dieses Schreibens ist heikel, er kann den Ruf eines Mannes beschädigen, der zu den größten Stars des Weltsports gehört. Weil die Geschichte der Susan K. aber wahr sein kann, muss sie erzählt werden. Denn sie wirft ein Schlaglicht auf eine Gesellschaft, in der sich manche Menschen offenbar fast alles leisten können. Sie berichtet von einem bislang unbekannten Teil der großen Cristiano-Ronaldo-Story. Einer Heldensaga, die düsterer zu sein scheint, als viele seiner Fans…

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Nr. 16/2017