Lesezeit 10 Min
Politik

„Gefangene der Freischärler“

Der neue ukrainische Premier Wolodymyr Hrojsman über sein zerrissenes Land und Angela Merkels Hilfe

ALEXEY FURMAN / DER SPIEGEL
von
Christian Neef
Lesezeit 10 Min
Politik

Hrojsman, 38, war Minister, Vizepremier und Parlamentsvorsitzender. Er gehört zum Parteienblock des Präsidenten Petro Poroschenko und wurde Mitte April zum Premierminister gewählt.

SPIEGEL: Herr Ministerpräsident, es gab Schwierigkeiten mit Ihrer Ernennung, fast zwei Monate lang wurde hinter den Kulissen um den Posten des Premiers geschachert. Lag das an Ihren Bedingungen?

Hrojsman: Es wurde um eine tragfähige Koalition gerungen. Meine Kandidatur war dann jene, die sowohl die Abgeordneten im Parlament als auch die politischen Führer unterstützen konnten. Ich habe mei-ne Vorstellungen über den weiteren Weg der Ukraine klargemacht. Und ich wollte Leute in der Regierung haben, die zu Reformen fähig sind. Für mich war es ein schwieriger Entschluss, denn wir müssen jetzt viele unpopuläre Entscheidungen treffen.

SPIEGEL: Es heißt, Ihre Ernennung bedeute einen Machtzuwachs für Präsident Petro Poroschenko. Sie seien sein Vertrauter und leicht von ihm zu beeinflussen.

Hrojsman: Ich habe ausreichend gute Arbeitsbeziehungen zum Präsidenten. Vorschläge von ihm, die auf Reformen gerichtet sind, unterstütze ich. Dort, wo ich anderer Ansicht bin, bestehe ich auf meiner Meinung.

SPIEGEL: Warum haben Sie auf jene radikalen Reformer und ausländischen Technokraten verzichtet, die bisher in der Regierung saßen – den aus Litauen stammenden…

Jetzt weiterlesen für 0,88 €
Nr. 25/2016