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Wirtschaft

„Für mich überwiegen die Risiken“

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, 47, über die Staatsanleihenkäufe der EZB, die verschobene Zinswende und falsche Lehren aus der Eurokrise

TIM WEGNER / DER SPIEGEL
von
Michael Sauga
und
Armin Mahler
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Wirtschaft

SPIEGEL: Herr Weidmann, die Leitzinsen in den USA sind seit fast zehn Jahren nicht mehr gestiegen, sie liegen bei nahe null. Wann kommt endlich die Zinswende?

Weidmann: Die US-Konjunktur erholt sich derzeit, und die Fed hat klargemacht, dass deshalb die Zinserhöhung näher rückt. Entscheidend ist, dass ausreichend Zeit war, sich darauf einzustellen.

SPIEGEL: Bisher hat die amerikanische Notenbank Federal Reserve eine solche Reaktion immer nur angekündigt, aber nicht realisiert.

Weidmann: Zuletzt gab es auch neue Unsicherheitsfaktoren in der Weltwirtschaft, die dieses Zögern erklären, zum Beispiel die Entwicklung in China oder die Volatilität der Ölpreise.

SPIEGEL: Sollte die Fed sich eher an der nationalen Konjunktur orientieren oder eine Geldpolitik für die ganze Welt machen?

Weidmann: Notenbanken müssen sich an ihr Mandat halten. Die Fed muss deshalb sowohl auf die Inflation als auch auf den Arbeitsmarkt in den USA schauen, beim Eurosystem ist es allein die Sicherung der Geldwertstabilität. Das heißt aber nicht, dass Entwicklungen im Ausland bei geldpolitischen Entscheidungen keine Rolle spielen. Denn sie beeinflussen ja, etwa über die Wechselkurse, auch die inländische Konjunktur und Inflation.

SPIEGEL: Offenbar fürchtet die Fed, dass bei einer Zinserhöhung massiv Kapital aus den Schwellenländern in die USA fließt.

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Nr. 41/2015