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Verbrechen

Für ein Opfer zu mondän

Der Unternehmer Max Emden hatte jüdische Wurzeln, die Nazis brachten ihn um viel Vermögen. Seine Urenkel hoffen, dass altes Unrecht endlich eingestanden wird, und streiten dafür.

MARKUS TEDESKINO / DER SPIEGEL
von
Ulrike Knöfel
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Verbrechen

Maeva Emden wohnt im Schanzenviertel in Hamburg und findet es noch immer erstaunlich, wie wohl sie sich fühlt in dieser Stadt. In ihrer Kindheit in Chile sei Hamburg, ach, sei ganz Deutschland etwas gewesen, was man besser nicht erwähnte.

Doch in demselben Maße, wie das Schweigen über Deutschland immer mehr Platz in der Familie einnahm, wuchs ihre Neugier auf dieses Land. Sie zog zum Studium nach Berlin, sie lernte ihren späteren Mann dort kennen, ausgerechnet einen Hamburger. Jetzt wachsen ihre Kinder auf in dieser Stadt, gebürtige Hamburger, wie Maeva Emdens Großvater, wie überhaupt viele ihrer Ahnen. Vor einigen Jahren zog auch ihr jüngster Bruder Frederick, 28, hierher; er hatte sein Studium in Chile aufgegeben und absolvierte in einem eleganten Hotel an der Elbe eine Ausbildung. In dem Hotel, sagt er, habe es ein paar ältere Stammgäste gegeben, die ihn gefragt hätten, ob er zu den Emdens gehöre.

Die Emdens?

Eigentlich müssten sie in diesem Land eine Berühmtheit sein, aber wer kennt sie schon? Vor allem Maevas und Fredericks Urgroßvater Max Emden war eine beinahe sagenhafte Gestalt, ein hanseatischer Mogul, der ein internationales Imperium aufgebaut hatte, ein echter Visionär, Mäzen. Doch so gut wie nichts erinnert an ihn. Nicht in Deutschland, nicht einmal in Hamburg.

Vielleicht ist das sogar Absicht, weil sich so besser verschweigen lässt, was auch Teil der Geschichte ist: Max Emden wohnte zwar seit 1927 bevorzugt in der Schweiz, aber er hat den größten Teil seines immensen Vermögens in Deutschland zurückgelassen, und daran haben sich viele bereichert. Für die Nazis war er "der Jude Dr. phil. Max James Israel Emden", und das, was er…

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Nr. 38/2017