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Gesellschaft

„Frieden ist schwieriger als Krieg“

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos, 66, über das Abkommen mit den Farc vor einem Jahr – und warum es trotz der Zunahme der Gewalt und des Drogenanbaus ein Erfolg ist

CESARE DE GIGLIO / DER SPIEGEL
von
Jens Glüsing
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Gesellschaft

SPIEGEL: Herr Präsident, vor einem Jahr haben Sie nach mehr als 50 Jahren Bürgerkrieg Frieden mit der linken Guerilla Farc geschlossen. Eine Mehrheit Ihrer Landsleute lehnte das Abkommen in einem Volksentscheid damals zunächst ab. Wird es inzwischen akzeptiert?

Santos: Frieden zu schließen ist immer schwieriger, als Krieg zu führen. Das braucht Zeit. Aber wir haben Fortschritte bei der Umsetzung des Abkommens gemacht. Dessen Gegner sehen jetzt, dass dies der richtige Weg ist.

SPIEGEL: In vielen ehemaligen Konfliktregionen herrscht heute Chaos, die Bauern haben Straßen blockiert, wehren sich gegen das Ausreißen von Kokapflanzen, wie es im Friedensabkommen vorgesehen ist.

Santos: Wir befinden uns in einer Übergangsphase vom Krieg zum Frieden, die Konflikte werden nicht mehr mit Waffen ausgetragen, sondern mit demokratischen Mitteln. Viele Kokabauern werden von Drogenhändlern manipuliert. Die zwingen sie zu streiken, sonst bringen sie sie um.

SPIEGEL: Die Farc haben in den Konfliktgebieten eine gewisse Sicherheit garantiert. Jetzt sind andere bewaffnete Gruppen in das Vakuum gestoßen. Das führt zu einem Anstieg der Gewalt.

Santos: Möglicherweise hat die Gewalt in einigen Regionen vorübergehend zugenommen, bis der Staat das Territorium definitiv kontrolliert. Die wirtschaftliche und soziale Neuordnung führt oft zu Gewalt, weil…

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Nr. 48/2017