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Kultur

Frauenbilder

Sabine Moritz schafft beeindruckende Gemälde und ist als Künstlerin doch fast unbekannt – weil sie vor allem als Ehefrau von Gerhard Richter wahrgenommen wird.

MARKUS TEDESKINO / DER SPIEGEL
von
Ulrike Knöfel
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Kultur

Paris, eine Straße im Marais, eine Vernissage in einer namhaften Galerie. An den Wänden Zeichnungen und Ölgemälde der Deutschen Sabine Moritz.

Ihre Bilder sind still und beängstigend wie ein Thriller kurz vor einer unfassbaren Tat. Einsame Hütten, Schiffe auf grauer See, Ansichten aus einem gekachelten Labor, das wirkt, als sei es vor langer Zeit verlassen worden, dazu die Darstellung einer frisch verwaisten Stadt. Werke voller Kühle, voll bohrender Gefühle. Werke von höchster Qualität.

Bei der Eröffnung ihrer Ausstellung in Paris war einiges los, die Stimmung gut, französische, englische, deutsche Gesprächsfetzen waren zu hören, die Künstlerin wurde beglückwünscht. Eine von ihr bewunderte libanesische Schriftstellerin und Malerkollegin trug ein Gedicht vor, ein aus London angereister Kurator sprach ein paar Worte. Sie selbst schien ein wenig aufgeregt und doch zufrieden mit diesem Abend, der mit vielen Gästen in einem nahen Restaurant ausklang.

Rückblickend aber war es eine gespenstische Veranstaltung, eine Phantomvernissage. Sie zeigte keine angemessene Wirkung, es wurde nicht darüber berichtet in den europäischen Feuilletons, kein großes Museum hat ihr eine Ausstellung angeboten. Die Künstlerin sagt an einem anderen Tag, ihre Gemälde seien lauter Fragen, aber keiner antwortet oder fragt zurück. "Es gibt keine Resonanz."

Zumindest fast keine: Eine wichtige amerikanische Fachzeitschrift rezensierte die Schau in Paris. Prominente…

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Nr. 4/2017