Lesezeit 9 Min
Politik

Fahrt in den Untergang

Der Kampf um Mossul, die letzte Hochburg des "Islamischen Staats" im Land, wird von einer brüchigen Allianz geführt. Er könnte grausam werden, spätestens wenn der IS wie befürchtet Chemiewaffen einsetzt. Ein Besuch an der Front.

ALI ARKADY / DER SPIEGEL
von
Christoph Reuter
Lesezeit 9 Min
Politik

Eine Gewitterwolke. Schwer und schwarzgrau. Dafür zumindest könnte man es halten aus weiter Ferne. Doch je näher wir Mossul von Süden kommen, desto dunkler und mächtiger wird diese Wolke, die nicht am Himmel schwebt, sondern aus dem Boden wächst, sich bald zu einer fürs Auge undurchdringlichen Wand auftürmt und halbe Dörfer verschluckt, sie einfach in der Finsternis verschwinden lässt.

Mossul, das ist eine Fahrt in den Weltuntergang. So wirkt es jedenfalls angesichts der gigantischen Rauchwolken aus zig brennenden Ölquellen, Reservoirs und Gräben, die vom "Islamischen Staat" (IS) seit über zwei Jahren angelegt und nun konzertiert in Brand gesteckt wurden. Eigentlich wäre dies ein gleißend sonniger Herbsttag. Aber die entgegenkommenden Militärjeeps fahren selbst mittags mit Licht.

Der dunkle Vorhang soll die Jets und Hubschrauber der Angreifer fernhalten, der Rauch löst Hustenreiz und Kopfschmerzen aus. Eine Armada von über 30000 Soldaten und Kämpfern aus mindestens einem halben Dutzend Staaten hat seit vergangenem Montag ihre Großoffensive auf die De-facto-Hauptstadt des "Kalifats" im Nordirak begonnen; sie ist nicht nur die größte Koalition im Kampf gegen den IS, sondern auch die unberechenbarste.

Den Dschihadisten sind alle Grausamkeiten zuzutrauen, um ihre wichtigste Stadt, Heimat mehrerer ihrer Spitzenkader, zu halten. Die Angreifer wiederum bilden eine höchst brüchige Allianz: Die US-Luftwaffe und Special Forces steuern eine enorme…

Jetzt weiterlesen für 0,87 €
Nr. 43/2016