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Kultur

Euer Mittelmaß ödet mich an

Der Regisseur Ersan Mondtag ist 28 Jahre alt und verblüfft durch Stilwillen und Chuzpe. Nun tritt er erstmals beim Theatertreffen in Berlin an.  

MICHAEL APPELT / DER SPIEGEL
von
Wolfgang Höbel
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In einem unbescheidenen Moment hat der Filmemacher Rainer Werner Fassbinder einmal behauptet, dass er für die Kinokunst genau die Bedeutung haben möchte, die Shakespeare fürs Theater hatte, Karl Marx für die Politik und Sigmund Freud für die Psychologie: Er wollte "ein Werk schaffen, nach dem nichts mehr so sein wird wie vorher".

Der Regisseur Ersan Mondtag hat keineswegs kleinere Ambitionen. Er will das Theater, die Oper und den Film "neu denken" und "ein Genre erschaffen, das es bisher noch nicht gab". Und er findet, dass "große Kunst die Zuschauer nicht angreift, sondern sie eher Dankbarkeit empfinden lässt für das Geschenk, das ihnen gemacht wird".

Ersan Mondtag ist 28 Jahre alt. Er ist in Berlin geboren und als Kind türkischstämmiger Eltern im Stadtteil Neukölln aufgewachsen, er heißt bürgerlich Ersan Aygün und hat die beiden Silben seines Nachnamens wortwörtlich ins Deutsche übersetzt, woraus sich sein Künstlername Mondtag ergibt. Von Fassbinder (1945 bis 1982) sagt Mondtag, dass er am meisten bewundere, wie konsequent dieser Regisseur seine eigene Ästhetik entwickelt habe: "Fassbinder ging mit 16 mit seiner Handkamera auf die Straße. Er stand vor und hinter dieser Kamera und hat selbst geleuchtet. Er hat sich selbst die Mittel erfunden, mit denen er seine Welt geschaffen hat."

Beim Berliner Theatertreffen, das an diesem Wochenende beginnt, präsentiert Mondtag einen schaurig-komischen Weltentwurf, den er sich für das Staatstheater…

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Nr. 19/2016