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Politik

Ethnologen in Uniform

Die Bundesregierung weitet den Bundeswehreinsatz im westafrikanischen Mali noch einmal aus, um, wie sie sagt, das bitterarme Land in eine „friedliche Zukunft zu führen“. Kann das gelingen?

DER SPIEGEL
von
Konstantin von Hammerstein
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Politik

Bevor Benjamin Fröbisch nach Mali fährt, zieht er sich die schwere Schutzweste über den Kopf. Er prüft, ob seine Pistole und das Sturmgewehr in Ordnung sind. Dann steigt er mit seinem Helm zu seinem Fahrer in den gepanzerten Geländewagen. Mali ist nur ein paar Hundert Meter entfernt und doch unendlich weit weg, wenn man im Camp Castor in Gao lebt.

Bevor Fröbisch Mali betritt, fährt er an meterhohen Schutzwällen vorbei, an Stacheldrahtrollen, Panzersperren, spanischen Reitern, Wachtürmen, Sandsäcken, Maschinengewehrstellungen, Überwachungskameras. Soldaten der Luftwaffensicherung checken seine Papiere, öffnen die rot-weiße Schranke, der schwere Geländewagen kurvt langsam im Slalom um Betonklötze.

Er fährt ein paar Hundert Meter auf einer geteerten Straße, passiert einen letzten Checkpoint. Ein malischer Soldat sitzt dort unter einem Sonnendach und winkt freundlich. Dann ist Fröbisch in Afrika.

Draußen, hinter den dicken Panzerscheiben, ziehen die Zelte der Nomaden an ihm vorbei. Manchmal liegt ein Kamel zwischen den Bungalows aus braunen Lehmziegeln. Der deutsche Major sieht die Frauen in ihren bunten Gewändern, die riesige Körbe auf dem Kopf tragen.

Jedes Mal, wenn er anhalten lässt, macht Fröbisch den "Null-Fünfer". Er steigt aus, schließt die Tür, läuft in fünf Meter Entfernung um das Auto und prüft, ob jemand unbemerkt während der Fahrt eine Haftbombe angebracht hat. Er geht in die Hocke und sieht unter den Wagen. Erst dann dürfen die anderen aussteigen.

Der Offizier aus Lüneburg weiß, wie prekär die Situation im Norden Malis ist. Die Regierung in Bamako hat große Teile des Landes nicht unter Kontrolle. Und die Uno-Einheiten, darunter mehr als 500 Bundeswehrsoldaten, können die fehlende Staatlichkeit nicht ersetzen. Wegen der vielen Angriffe kommen die Blauhelmeinheiten kaum noch dazu, ihre eigentliche Aufgabe zu erfüllen und den labilen Friedensprozess zu…

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Nr. 4/2017