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Politik

„Es war schmerzhaft“

Die designierte Parteichefin Andrea Nahles über die Personalquerelen in der SPD, die Qualitäten der Kanzlerin und ihre feste Absicht, auch künftig „Bätschi“ zu sagen

DANIEL HOFER / DER SPIEGEL
von
Veit Medick
,
Susanne Beyer
und
Michael Sauga
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Politik

Als sie sich am Tag zuvor an die Mikrofone der Presse begeben hatte, um den Rücktritt von Martin Schulz zu erläutern, und neben Olaf Scholz stand, der ankündigte, dass er es nun sei und nicht sie, der die Partei kommissarisch führen werde, war es ihr schon anzumerken: Die Chaostage der SPD haben Nahles, 47, zugesetzt. Sie ist stark erkältet, kaum bei Stimme, ein Lächeln ringt sie sich ab. Am folgenden Tag empfängt sie um Punkt zwölf Uhr in ihrem Büro am Spreeufer zum Gespräch, noch heiserer, der Blick ernst, lächeln wird sie im Verlauf der nächsten anderthalb Stunden selten. Am Nachmittag – was muss, das muss – steht ihr ein Aschermittwochstermin im Ruhrgebiet bevor. Sie kämpft. Ab jetzt geht es um jeden Satz, um jede Minute. Am 4. März wird sich zeigen, wie die Basis zum Koalitionsvertrag abgestimmt hat. Und wenn das gut geht, gut gehen sollte, muss man ja sagen, in dieser Zeit der Konjunktive, gut gehen sollte in ihrem Sinne, muss man dazu noch sagen, mit einem Ja also der Basis, wird die Partei dann am 22. April bei einem Sonderparteitag abstimmen, ob sie die erste Frau an der Spitze der Sozialdemokratie sein soll.

SPIEGEL: Frau Nahles, kennen Sie Simone Lange?

Nahles: Nein, aber ich freue mich darauf, dass sich das bald ändert.

SPIEGEL: Frau Lange ist die Oberbürgermeisterin aus Flensburg, die neben anderen Bewerbern Ende April gegen Sie um den SPD-Vorsitz kandidieren will. Sind Sie sich eigentlich sicher, dass Sie gewinnen?

Nahles: Es ist das gute Recht jedes Sozialdemokraten und jeder Sozialdemokratin, sich um den Vorsitz zu bewerben. Das ist innerparteiliche Demokratie. Ich erhalte derzeit viel Zuspruch von allen Seiten, daher bin ich zuversichtlich, dass ich eine Mehrheit bekomme. Aber ich habe großen Respekt vor der Aufgabe.…

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Nr. 8/2018