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Sport

»Es gibt in diesem Moment keinen Trost«

SPIEGEL-Gespräch mit Oliver Kahn über die Einsamkeit nach Niederlagen, die deutsche Nummer eins und sein Engagement für Saudi-Arabien

OLIVER BRENNEISEN / DER SPIEGEL
von
Thilo Neumann
und
Christoph Winterbach
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Kahn, 48, gilt als einer der besten deutschen Torhüter der Geschichte. Mit Bayern München gewann er die Champions League und den Weltpokal, mit der Nationalmannschaft verlor er 2002 das WM-Finale gegen Brasilien. Heute arbeitet Kahn als TV-Experte und Unternehmer, seine Firma Goalplay unterstützt weltweit Torwarttrainer.

SPIEGEL: Herr Kahn, das Champions-League-Finale vergangene Woche hat Loris Karius, der Torwart des FC Liverpool, mit zwei Fehlern mitentschieden. Am folgenden Morgen meinte Karius, er habe nicht geschlafen, die Szenen seiner Fehler gingen ihm noch durch den Kopf. Kennen Sie das?

Kahn: 1999 habe ich mit Bayern München das Champions-League-Finale gegen Manchester United in der Nachspielzeit verloren. Die Gegentore waren zwar nicht meine Fehler, aber es war trotzdem grausam. Anders war es beim WM-Finale 2002 gegen Brasilien.

SPIEGEL: Sie ließen einen Schuss vor die Füße von Ronaldo prallen, der das 1:0 erzielte.

Kahn: In solchen Momenten entstehen extrem negative Gefühle, wie sie Loris Karius erlebt hat. Direkt nach dem Spiel kann man noch damit umgehen. Aber irgendwann sinkt der Adrenalinspiegel, und der Körper fährt sich runter. Das ist der Moment, in dem es richtig hart wird, weil man dann anfängt, über die Konsequenzen nachzudenken.

SPIEGEL: Wann kam das bei Ihnen?

Kahn: Ich weiß noch, wie ich…

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Nr. 23/2018